" Hier ist Survival angesagt..."
          Das Wintercamp an der Effelter Mühle.

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Frostwarnung



"Hier ist Survival angesagt", nordet mich die leicht vermummte Frau auf der anderen Seite des rustikalen Holztisches ein.

Ich beiße mir auf die Zunge für den Fauxpas. An diesem Ort nach warmer Küche zu fragen, entlarvt sofort den Novizen. Im übrigen habe ich mich ja freiwillig zum Wintercamp des Münchener Outdoorspezialisten Lauche & Maas angemeldet, um die im Sommer erworbene Campingausrüstung einmal unter realistischen Winterbedingungen zu testen.

Ottawa



Und "realistische Bedingungen", die bietet das Hochtal bei Effelter Mühle in der Nähe von Kronach Ende Januar mit großer Zuverlässigkeit.

Wo die Sonne erst um elf Uhr über die Hügelkette klettert, um den Talboden auszuleuchten, und bereits um fünf Uhr nachmittags wieder hinter den Wipfeln der Tannen verschwindet, liegt einer der Eisschränke der Republik. Seit mittlerweile fünfzehn Jahren veranstaltet die Mannschaft von Lauche & Maas hier das "Wintercamp", zu dem sich alljährlich rd. 300 Personen jeden Alters und Geschlechtes einfinden. Trapper, Möchtegern-Yetis, Familienmütter- und -väter, Vorschulkinder, halbwüchsige Strolche, Küstenländer und Alpenbewohner tummeln sich mit ihren Zelten im kühlen Grunde neben einem zugefrorenen Bach, der einst eine Mühle trieb.

Bach



"Nur zwischen 13 und 18, in der Pubertät, haben wir ein Loch", verrät mir einer der Angestellten auf die Frage, ob ich der einzige sei, der seinen Nachwuchs mitbringe. Die Generation Handy hat es schwer an diesem Ort, auf dem es die Empfangsanzeige im Display nicht einmal auf einen dünnen Strich bringt. Wer in Deutschlands letztem SMS-losen Tal der Ahnungslosen unbedingt telefonieren will, hat einen halbstündigen Fußmarsch steil bergauf ins nächste Dorf vor sich.

Handy




Ganz ohne elektronische Medien geht es im Umfeld des Treffens allerdings nicht ab. Wer teilnehmen will, für den führt kein Weg an den Internetseiten des Unternehmens vorbei. Jeweils ab Dezember stellt die Geschäftsleitung neben vielen Outdoor-Angeboten und jeder Menge praktischer Ratschläge ein Formular auf die Homepage, in welches interessierte Kunden unter anderem die Frage nach Gewicht und Größe (für den möglichen Schlafsacktest) und ihre kulinarischen Präferenzen "Elch oder Gemüselasagne?" eintragen können.

Die Veranstaltung findet traditionell - mittlerweile zum fünfzehnten Male - Ende Januar statt. Da die Anmeldungen die Zahl der vorhandenen Plätze regelmäßig übersteigen, wird gelost. Im übrigen kostet die Teilnahme pro Person 45 Euro.

Forelle



Geboten werden dafür zwei Mal Frühstück in einer angemieteten Scheune mit rustikalem Mobiliar, eine geräucherte Forelle und ein Stück Elch am Lagerfeuer sowie jede Menge klirrender Kälte.

 



Minus 13 Grad sind es diesmal in der ersten Nacht. Am Morgen sind nicht nur die Innenwand des Zeltes, sondern auch Schlafsäche und Mützen mit gefrorenem Raureif überzogen. Einige ganz hartegesottene Teilnehmer haben die Nacht sogar ohne Zelt im Schlafsack verbracht. Alles ist eben noch steigerungsfähig.

Iglu



"Haben Sie jemals so glückliche Gesichter gesehen", fragt mich unvermittelt ein bärtiger Outdoorer aus den neuen Bundesländern, der auf einem Hügel mit der Kamera in der Hand auf das richtige Büchsenlicht wartet. Er spielt auf die entspannte Atmosphäre beim Scheunen-Frühstück nach der ersten Nacht an. Das Abtrennen von den Annehmlichkeiten und Sicherheiten der Zivilisation, auch wenn es nur für eine lange Winternacht war, lässt die einfachen Dinge - Nahrung und Wärme - als vollkommendes Glück erscheinen. Bei heißem Kaffee, Tee und Milch, die aus mitgebrachten Bechern geschlürft werden, frischen Brötchen, Aufschnitt und nicht zuletzt einem lauten Heißluftgebläse feiern die Überlebenskünstler genussvoll und still in sich gekehrt ihr Survival. Viele Worte sind auch nicht nötig, denn schließlich weiß jeder, was der andere hinter sich hat.

 

Fruehstueck

 

Fruehstueck



Und die Ausrüstung?

Im Forum der Bikefreaks gab's vorher nützliche Tipps - noch einmal vielen Dank dafür.

Das Zelt, ein Globetrotter-Zelt "Four Seasons Ottawa", hat sich bewährt. Durch die Atemluft von zwei Personen bildete sich viel Kondenswasser, das sich dank der enormen Kälte im Laufe der Nacht als Raureifüberzug auf Schlafsack und Mützen niederschlug.

 

Muetze Eis



Davon waren aber auch die meisten anderen Zelte betroffen.

Isomatten: Die sich selbstaufblasende Therm-A-Rest (Standard lite, self-inflating) isolierte eindeutig am Besten. Auch die zweite Therm-A-Rest ("Zrest, dual density") schlug sich auf dem verharrschtem Schnee wacker. Der Hauptunterschied bestand darin, dass die luftgefüllte Isomatte Unebenheiten des Untergrundes wesentlich besser ausbügelte. Die dünnere bildete demgegenüber jeden Hügel in den Rippen ab. Das macht für das Durchschlafen schon einen Unterschied.

Schlafsäcke: Meine Tochter hat mit dem "Polar Bear" von Nordisk (Techn. Daten: Komfortminimum -11 Grad, 1700 g schwer - Foto: hier) auf der luftgefüllten Therma-Rest wie in Abrahams Schoß durchgeschlafen und nach eigener Aussagen keinerlei Kälte verspürt.

Ich selbst habe eine Kombination von leichtem Daunenschlafsack (Techn. Daten: 400 g Füllung, 900 g Gesamtgewicht, Komfort minus 2), mit zusätzlichem Außenschlafsack (Techn. Daten: Cocoon Innerbag, Primaloft/Nylon, Mumienform, 220x80/56cm, ca. 90 Euro) benutzt. Als sich nachts die Reissverschlüsse etwas öffneten, war das schon durchaus zu spüren. Ansonsten hat die Kombination eines engen leichten Daunenschlafsacks mit einem weiten Außensack gut isoliert und das Durchschlafen selbst bei diesen Temperaturen ermöglicht.

Zusätzliche Wärmequellen:

"Ewiges Licht": Die Empfehlung, mit einer Kerze "einzuheizen", ließ sich nicht umsetzen. Das Zelt weist innen keine Möglichkeit auf, eine Kerzenlaterne zu stellen oder aufzuhängen.

Wärmepacks: ... habe ich besorgt, aber nicht eingesetzt.

Daunenschuhe: Der Übergang aus warmen Winterstiefeln in den kalten Schlafsack ist oft der Ausgangspunkt für eine durchzitterte Nacht. "Die" Entdeckung des Wochenendes waren Daunenschuhe. Nach zehn Minuten "dampften" die Füße trotz der Minusgrade. Da sie leicht und universell einsetzbar sind, kann ich sie gerade für Radreisen unter ähnlichen Wetterbedingungen nur empfehlen.Zu finden sind sie hier.

Licht: Wer sie noch nicht haben sollte: Die Kopflampe war beim Zeltaufbau im Dunkeln Gold wert. Der stark reflektierende Schnee machte daraus fast ein Flutlicht.

Kochen: Es gab das erste Mal Tütensuppe mit Schneewasser (zweimal nachgefüllt wg. d. anderen Volumens) . Dazu verhalf uns trotz entsprechender Minusgrade der Trangia mit Gasbrenner - kinderleicht zu handhaben und effektiv.

Summa summarum: Temperaturen um minus 15 sind für den Radreisenden mit leichtem Gepäck und ohne spezialisierte Ausrüstung zweifellos "grenzwertig". Mit einer luftgefülten Isomatte, zwei abgestimmten leichten Schlafsäcken plus Daunenschuhen, dürften sie/er aber auch unter solchen Bedingungen gut über die Runden kommen.

Effelter Muehle

 

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Tal

 

Tal

 

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