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09.07.2006

 

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Radtour durch Kanada, 28.08.2006 - 15.09.2006

   

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  • Die Baerenfrage



  • Der Anfang

    Auch Luxusprobleme sind Probleme. Wie verfliege ich 60.000 Prämienmeilen, die in zwei Tagen verfallen und kombiniere das Ganze mit einer Radtour? Eigentlich sollte es Kirgisien werden. Schon mal einen Blick auf den Himalaya werfen, bevor ich ihn mir mit dem Rad vom Münsterland aus richtig erarbeite. Der Reisebericht eines Fernradlerpaares in einem Internet-Forum vor ein paar Tagen, mit Flash-Animation gekonnt in Szene gesetzt, war umwerfend, wenn da nicht die Warnungen auf der Homepage des deutschen Außenministeriums wären. Unter der Rubrik Informationen zu einzelnen Ländern steht zu Kirgisien etwas von Bomben, Minen und islamischen Guerillakämpfern. Aber schon mal den Issyk Kül in der Abendsonne gesehen? Das eigentliche Hindernis stellt sich, wie so oft, ganz unvermittelt in den Weg. Meine Rechnung scheint ohne den Prämienrechner der Lufthansa im Internet gemacht. Der antwortet nämlich, wie auch immer ich die Anfrage variiere - ob Kasachstan, Almaty oder Kirgiesien/Bishkek -, mit einem kurzen, trockenen "Sorry, ihre Meilen reichen nicht!" Wo gibt es sonst noch Berge, die die Anreise lohnen? Die Anden? Auch hierfür langt es nicht. Aber die Rockies, die scheinen laut Tabelle in Reichweite meines Kontos. Also los Anruf im Buchungszentrum: Seattle, Vancouver, Portland abgefragt - keine Chance. Der Sommer ist ausgebucht. Nach 15 Minuten Abfragen wirkt die Mitarbeiterin am andere Ende der Leitung ein wenig genervt. Kein Wunder. Es ist 5 Minuten vor zehn Uhr abends, der Tag war lang und die Computer werden, wie sie mir ankündigt, gleich heruntergefahren. Sie stückelt mir etwas zusammen: 1. September, FMO-Münster, Frankfurt, Heathrow, Vancouver, drei Gesellschaften der Star Alliance. Ich lasse es reservieren. Ein Tag bleibt mir ja noch. Ich checke die Randbedingungen der Buchung im Internet: Durchschnittstemperatur im September für Kanada 15 Grad. Nicht berückend viel, aber es geht gerade noch. Computer aus, Licht gelöscht. Es ist kurz vor Mitternacht, viel später als ich geplant hatte. Ich merke an der Tür des Arbeitszimmers, dass ich hellwach bin. Gedanklich verlängere ich die Entscheidungen und setze sie in ein Reiseprogramm um. Alles richtig gemacht? Nein, Unfug. Dieser gestückelte Flug geht nicht. Erste Priorität muss sein, dass das Rad dort ist, wo ich bin. Bei vier Flughäfen und drei Gesellschaften ist der Ärger vorprogrammiert. Die Mitnahmebedingungen von Air Canada für Räder "turnen" auch nicht an. Hartschalenkoffer, sonst Plastiksack und Bestätigung unterschreiben, dass man keine Regressansprüche stellt. Ich suche den Schalter der Schreibtischlampe, und beuge mich noch einmal über die Karte. Toronto, Montreal, das alles ist viel zu weit östlich. Calgary kommt in den Blick. Rechner wieder angeschaltet, die PINs in die Masken eingetragen. Tatsächlich: Condor fliegt direkt von Frankfurt nach Calgary! Am Montag, den 28. August ist noch ein Platz frei. Das einzige Problem: Ich treffe erst am Sonntag Nachmittag von einem Kongress in Helsinki wieder ein. Mir bleiben buchstäblich nur ein paar Stunden, um zu packen. Das geht nur, wenn alles bis ins letzte Detail fertig ist. Es würde keinen Spaß machen, wenn es einfach wäre. Wie weit liegt Calgary eigentlich von Castlegar in der Mitte Kanadas und am Fuß de Rockies gelegen entfernt? Dank Google ist der kanadische Routenplaner in Sekunden auf dem Schirm. 600 Kilometer sind es - von Vancouver aus wären es genau so viele. Wie komme ich dahin? Es stellt sich heraus, dass Condor-Flüge nicht mit Air Canada-Flügen kombinierbar sind. Und die Busse? Der gute alte Greyhound-Service kostet 213 $ hin und zurück, braucht aber 11 Stunden für die Tour. Das scheint mir ungünstig angesichts der Tatsache, dass ich schon am Vortag 13 Stunden unterwegs bin. Das Rad, steht es in den Bedingungen, müsse als Expressservice aufgegeben werden, kostet also extra. Noch ein Zuschlag ist fällig, wenn man es im selben Bus befördert haben wolle. Dank Internet ist die Welt transparent - mit all ihren Stolperdrähten. AVIS kommt mir in den Sinn. OK, AVIS verlangt gut 100 Dollar für einen Mittelklassewagen bei unbegrenzter Mileage. Für 12 Dollar extra kann ich ihn one-way benutzen. Das hört sich vernünftig an. Also wird es Calgary - eine Stadt, mit der ich nichts verbinde außer der verblassten Erinnerung an eine Abenteuergeschichte über einen wildgewordene Lok, die ich als Kind gerne von der Schallplatte gehört habe. Habe ich etwas übersehen? Ich denke nicht, die möglichen Probleme scheinen jetzt händelbar zu sein. Ich will gar nicht erst wieder auf die Uhr gucken. Jetzt geht's mir besser. Ein Anzeichen dafür, dass das Umwerfen des ersten Plans richtig war. Mehr ist heute Abend nicht mehr zu tun,

    -- Fortsetzung folgt --
    ...

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  • Wie telefoniere ich in Kanada mit dem Handy? - Tipps gibt's - "hier" - und - "hier" - :






  • DIE BAERENFRAGE  nach oben

    Pelzige Begegnungen. Baeren und das Reiseradeln

    "Da draussen gibt es etwas, das ist groesser, schneller und staerker als Du." Was sich fuer den Mitteleuropaeer wie der Vorspann zu einem Alienfilm liest, ist tatsaechlich auf das Verhaeltnis von Mensch und Baer und ihr Zusammentreffen in freier Natur gemuenzt. Die Nationalparks Nordamerikas, insbesondere aber die kanadischen Parks, sind Baerenland. Wer als Radreisender dort mehr als nur ein paar Tage zubringt, muss mit einem Zusammentreffen rechnen - ohne Gitter, Netz und doppelten Boden. Ganz laesst sich das Risiko von Unfaellen nicht ausschalten. Man kann es klein halten, wenn man einige Regeln beachtet.

    1. Die wichtigste Regel fuer ein ueberraschendes Zusammentreffen mit einem Baer lautet: Nicht fluechten! Baeren sind spurtstark und schnell. In Sekunden erreichen sie 50 km/h und mehr. Eine gute Chance, ihnen mit dem Rad zu entkommen, hat man nur bergab und bei ausreichendem Abstand. Da die Vorderpfoten des Baeren kuerzer als die Hinterpfoten sind, kann er seine laeuferischen Faehigkeiten bergab nicht perfekt umsetzen. Bergauf ist ein Radler einem verfolgenden Baeren gegenueber chancenlos. Auf ebener Erde bedarf es Asphalt als Untergrund und eines ziemlich grossen Vorsprungs. In der Regel aber gilt: Fluechten animiert Baeren zur Verfolgung - so sind sie gepolt. 2. Auf einen schlanken Baum zu klettern, wie es gelegentlich empfohlen wird, hilft nur im Ausnahmefall. Sicher - ein ausgewachsener Grizzly erklimmt nicht eine schmale Birke. Aber nicht jeder Grizzly ist ausgewachsen und nicht jeder Baer ist ein Grizzly und wenn es schnell geht, weiss man nicht, was man vor sich hat. Im uebrigen erreichen Baeren beim Klettern Hoehen bis zu 30 Metern. Man muss also in entsprechendem Tempo auf 31 Meter klettern.

    3. Bei Anzeichen fuer die Naehe von Baeren - gerupfte Beerenstraeucher, Baerenkot ("scat"), explizite Warnungen anderer Reisender oder der Parkranger etc. - sollte man sich nicht nur vorsichtig bewegen, sondern auch regelmaessig bemerkbar machen (Windrichtung beachten!).

    4. Von Baerenklingeln (Buendel kleinerer Schellen), wie sie im Versandhandel angeboten werden, raten viele Einheimische ab. Ein Verkaeufer meinte trocken, Klingeln signalisiere dem Baeren "Dinner is ready!" In der Tat ist nicht auszuschliessen, dass regelmaessiges Klingeln Neugier weckt.

    Uebrigens lieben's auch die Baeren bequem und bewegen sich nicht etwa im Unterholz, sondern gerne auf freien Wegen oder im hohen Gras, wo sie im gebueckten Zustand schlecht zu sehen sind..

    5. Begegnet man einem Baeren, kann man davon ausgehen, dass dieser fluechtet, wenn er die Moeglichkeit dazu sieht. Ausnahmen sind die Faelle, in denen Baerinnen Junge ("cubs") dabei haben. Ein solcher Fall gehoert zu den gefaehrlichsten Situationen.

    6. Fuer Schwarzbaeren und Grizzlies gelten unterschiedliche Regeln. Beide unterscheidet man nicht an der Farbe, sondern an dem muskuloesen Hoecker auf dem Ruecken, den nur die Grizzlies ausbilden. Ausgewachsen sind Grizzlies viel groesser als Schwarzbaeren: Sie werden bis zu 500 kg schwer und erreichen aufgerichtet bis zu 3 m Hoehe. Schwarzbaeren kann man meist vertreiben durch Laerm, Bewegungen mit den Armen, Einsatz von Stoecken - Grizzlies wuerden bei solchem Verhalten attackieren.

    7. Steht man unvermittelt einem Grizzly gegenueber, ist mit einem Scheinangriff zu rechnen. Auch wenn es noch so schwer faellt, gilt selbst dann noch die Regel: Nicht fluechten! Empfohlen wird, so zu reagieren wie ein unterlegener Rivale. Blick senken, leise reden ("grummeln"), sich langsam abwenden, um klarzumachen, dass man das Revier des anderen respektiert.

    8. Richtet sich der Baer auf, weist das nicht auf einen Angriff hin. Baeren sehen schlecht und orientieren sich so.

    9. Attackiert der Baer tatsaechlich, ist es das Beste, sich fallen zu lassen, Haende ins Genick, Hockhaltung, nicht bewegen und vor allem nicht schreien. In aller Regel fressen Baeren keine Menschen. Sie wollen ihrer Ueberlegenheit sicher sein. Nicht zu frueh aufstehen, sonst greifen sie leicht ein zweites Mal an! 10. Outdoor-Versandhaeuser preisen spezielle Pfeffersprays mit grosser Reichweite als Wunderwaffe. Besonders empfohlen wird die Marke "Counter-Attack". Beim Kauf sollte man auf die Zertifizierung achten! Tatsaechlich fuehren viele der beruehmten kanadischen Holzfaeller bei der Arbeit entsprechende Spraydosen mit sich. Sich als Radreisender "Bearspray" zu beschaffen, ist kein Fehler. In jedem Fall gehoert die Dose an den Guertel, im Rucksack nuetzt sie nichts. Die Beachtung der anderen Regeln ist aber wichtiger. 11. Beim Zelten ist es zwingend geboten, nicht am Zelt selbst zu kochen, keine Lebensmittel darin aufzubewahren, sondern, soweit vorhanden, die entsprechenden Boxen zu benutzen. Ueber Nacht heisst es, Essen hissen. Die Vorraete werden in Taschen untergebracht und mit Hilfe eines Seils an einer Astgabel hochgezogen. Die Empfehlungen lauten: 3-4 Meter hoch, 3-4 Meter vom Baum entfernt und so viel Abstand zum Zelt wie gerade moeglich (ideal waeren 80-100 Meter). Dann ist man auf der sicheren Seite.

    12. Bei Anzeichen fuer die Naehe von Baeren tut man gut daran, auf stark riechende Lebensmittel (Tunfisch aus der Dose!) zu verzichten bzw. die Kueche kalt zu lassen. Besser ist es auch, das Kochwasser nicht an Ort und Stelle auszugiessen. Auch wenn es einen selbst nicht mehr "kratzt", weil man bald abreist, gebietet es die Ruecksichtnahme auf den naechster Camper, der vielleicht dort sein Zelt aufschlaegt.

    13. Die Trennung von Zelt und Gepaeck gilt ausdruecklich auch fuer andere stark riechende Utensilien (Deo, Zahnpasta). Baeren moegen zwar keine Zahnpasta, aber das wissen sie erst nach einem Versuch. Und wer will ihnen schon so nahekommen! Beim Packen der Taschen sind die olfaktorischen Qualitaeten der mitgefuehrten Gegenstaende ein wichtiger Gesichtspunkt fuer die Ordnung!

    14. Wird man nachts im Zelt attackiert, kann man die vorgenannten Regeln vergessen. In diesem Fall heisst es, maximalen Laerm machen, den Baer blenden, mit allem um sich werfen, was man hat. Das Gleiche gilt fuer den extrem seltenen Fall, dass ein Baer versucht, einen Liegenden ins Unterholz zu zerren. Es zeigt an, dass man zum "Dinner" ausgeguckt ist.

    15. Baeren sind lernfaehig. Viele treffen im Laufe ihres Lebens auf Menschen, machen dabei Erfahrungen und orientieren sich daran. Steht man einem Baeren gegenueber, weiss man nicht, welche Erfahrungen dieses Exemplar gemacht hat. Die letzte Regel lautet daher: Man kann nie sicher sein, ob die allgemeinen Erfahrungsregeln fuer den konkreten Fall, mit dem man es zu tun hat, gelten.

    Horchen wir also zum Schluss, was der Baer selbst meint:


    "Mama hat Dich gelehrt, von Menschen fernzubleiben. Aber das letzte Mal, als du auf einen trafst, hat er die Tasche mit den leckeren Sachen fallen lassen. Du musst den nackten Affen also nur kraeftig erschrecken, und schon kommst du wieder an seine Tasche. Geh also ruhig auf ihn zu, hilf mit der Tatze etwas nach, dann wird es schon klappen. Es lohnt sich!"







    Artikel:

    http://www.theglobeandmail.com/servlet/story/RTGAM.20060513.wcyclist0513/BNStory/National/ aus: "National"


    "Cyclist attacked by black bear near Banff Canadian Press

    BANFF, Alta. - A 41-year-old mountain biker attacked by a black bear in Banff National Park may have been mauled over a prolonged period of time, the park's chief warden said Saturday. The unidentified Banff man, though seriously hurt in the attack, is in stable condition in hospital in Calgary after undergoing surgery Friday night, said Ian Syme, the chief warden for Banff National Park. Two other cyclists biking along a thickly wooded mountainous trail east of the Rocky Mountain townsite on Friday evening discovered an unusual sight, said Mr. Syme. "They actually didn't come across him, they came across his bike," Mr. Syme said in an interview. The cyclists then heard a voice yelling to them from the woods nearby, he said. "They heard him yelling for help, and (he) indicated he was being attacked by a bear." Mr. Syme said the two cyclists then pedalled quickly to a nearby campground where they called a park warden, who was dispatched at around 8:15 p.m. along with an RCMP officer. It took a warden and the Mountie about 15 minutes to find the man just off the trail in the woods, Mr. Syme said, but the bear was still pacing near the man and refused to leave the area. "When they approached the victim the bear moved off slightly," he said. "While the RCMP attended the victim, the warden kept a very close eye on the bear. When it became apparent that it was not going to move off, he shot it."

    The behaviour by the extremely thin young adult black bear was unusual, Mr. Syme said, because confrontations between bears and humans are usually brief, and the bear normally leaves the area after an attack. "When the bear stays around and repeatedly attacks a person, it's no longer a surprise attack. There's some concern over it becoming a predatory attack," Mr. Syme said, who added there are fears the bear may have regarded the man as prey.

    Mr. Syme estimated the bear weighed only about 63 kilograms - much less than the weight of a normal, healthy bear.

    The victim was found a short distance from his bike, and there were dragging marks and signs of a struggle, Mr. Syme said, leading investigators to believe the attack was a prolonged one with the man remaining conscious throughout.

    The victim hasn't yet been interviewed, Mr. Syme said, so officials don't know the circumstances of the attack, including whether he may have fallen off his bike and was attacked, or whether the bear may even have dragged the cyclist off the bike.

    The mountain biker was wearing headphones at the time of the attack, a practice Syme said he doesn't recommend when hiking or biking in the mountain park.

    He won't speculate on whether the man may simply not have heard the bear lumbering through the woods near the trail.

    The area where the attack happened remains closed. Last fall, a Calgary man survived a grizzly attack in the park while Isabelle Dube of nearby Canmore was fatally mauled by a grizzly last year while jogging with friends."

       

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       © 2006/05/20 by Michael Prinz;  elektr. Mail: