Uebersicht
Ueber mich
Reisen mit/ohne Rad

Ausruestung
Links
Uebersicht

 

| Aktuelle Informationen | Uebersicht |  

 

Unverbindliche Tips fuer Tourenradler, Erfahrungen mit Land, Leuten und Technik


Das ideale Langstreckentourenradnach oben



Es kommt darauf an, gilt fuer alle ernst zunehmenden Urteile ueber Fahrradkomponenten. Nicht nur, weil Zweck und Material angepasst sein wollen, sondern auch deshalb, weil es um viel Geld geht. Niemals zuvor haben die Preise fuer Fahrradkomponenten so weit auseinander gelegen wie in der Gegenwart. Im Supermarkt trifft man neben Yoghurt und Tuetensuppen auf Komplettraeder, die scheinbar ueber alles verfuegen, was das Herz begehrt, fuer kaum unglaubliche 179,- Euro - im Einzelfall sogar mit tollkuehner lebenslanger Rahmengarantie. Dem stehen bei den Spezialisten puristische Fahrraeder fuer 4000 Euro ohne Schutzbleche gegenueber. Solche Preisdifferenzen duerften erklaeren, warum sich hartnaeckig das Geruecht haelt, verzweifelte Fachhaendler versorgten sich mit Supermarkt-Angeboten und zerlegten sie zur Weiterverarbeitung. So billig gelangt man selbst ueber den Grosshandel nicht an das Material.

Prinzipiell sind bei der Frage nach den besten Komponenten fuer ein Langstreckentourenrad drei Parameter zu beachten, die die Antwort direkt beeinflussen: Was funktioniert am Besten? Was laesst sich bei einem Defekt leicht und ueberall ersetzen? Was ist das Langlebigste?

Der Rahmennach oben
Stahl oder Aluminium? Zur Beruhigung sei gesagt, die alte Debatte, ob Aluminium angesichts der Sproedigkeit und der Neigung zu Ermuedungsbruechen ueberhaupt der richtige Werkstoff fuer Rahmen sei, kann als erledigt gelten. Verwendet werden heutzutage ohnehin Legierungen und ausserdem hat das Know-how einen Stand erreicht, der bei hochwertigen Aluminium-Rahmen das Thema Bruch von der Tagesordnung abgesetzt hat. Im uebrigen gilt: Bei extremen Belastungen wird jeder Rahmen brechen. Fahrraeder sind nun einmal etwas Filigranes, sonst koennte man sich mit ihnen nicht so gut fortbewegen.

Fuer den Stahlrahmen sprechen folgende ueberlegungen: Stahl ist biegsamer, der Rahmen federt also etwas in sich, was es einem erleichtert, auf zusaetzliche Federelemente zu verzichten. Aluminiumrahmen sind demgegenueber nahezu starr, sind ausserdem leichter und rosten nicht. Wichtiger ist fuer die Fangemeinde: Stahlrahmen kommen nicht aus Taiwan, sondern werden in kleinen hochspezialisierten Manufakturen in Deutschland gefertigt. Radfahren heisst gerade fuer viele Sportbegeisterte nicht nur Treten und Ankommen, sondern ist ein Lebensstil Auch wenn es schwer faellt: Man sollte dazu stehen, dass man sich mit handgefertigten sauber verarbeiteten Stahlrahmen den Luxus der Exklusivitaet goennt und das Motiv nicht mit pseudotechnischen Argumenten verhuellen. Last but not least, bleibt die unbezahlbare Suggestion, dass im Fall der Faelle waehrend der ertraeumten Weltreise die oft zitierte Karosseriewerkstatt im oberen Kaukasus oder der Dorfschmied in Untervolta einen Stahlrahmen mit einfachen Mitteln reparieren kann. In Gedanken projiziert man das Bike im heimischen Keller kurz vor der Fahrt zur Arbeit in den verrauchten Schuppen am Rande des kaukasischen Bergdorfes, sieht den grinsenden Mechaniker im Russ verschmierten Overall mit Zigarette im Mundwinkel laessig den Brenner anwerfen und zur Tat schreiten. Wie eine ehrenvolle Narbe ziert in der Phantasie danach die Schweissnaht den eigenen Rahmen, waehrend draussen der ignorante Nachbar von gegenueber zerknirscht vor seinem zerbroeselnden Taiwan-Alu-Rahmen sitzt und sich Mutti an den Hoerer geben laesst. Ein gutes Gefuehl, gegen das sich mit letztlich auch nur vermeintlich rationalen Argumenten schwer ankommen laesst.

Die Schaltungnach oben
Hier gibt es auf den ersten Blick keine Wahl, denn Shimano ist im Bereich der Schaltungen das, was Microsoft beim PC ist: der kaum zu umgehende Quasi-Monopolist. Zur Ehrenrettung von Shimano sei gesagt, dass die Qualitaet und Zuverlaessigkeit der Produkte auf wesentlich hoeherem Niveau liegen als bei dem Softwarezwilling. Zu beachten bleibt, dass Shimano ein ausserordentlich differenziertes, fuer den Laien nicht ueberschaubares Teile-Programm bietet und man bei den angebotenen Raedern leider nur selten einheitliche Gruppen antrifft. Da, wo es ins Auge faellt, beim hinteren Umwerfer mit breitem Aufdruck etwa, findet man typischerweise die teurere Komponente. Wo man es dagegen weniger leicht sieht, setzt der Rotstift an. Nicht umsonst werben einzelne Firmen ausdruecklich mit dem Hinweis, bei ihnen werde nicht gemogelt. Als die beste Komponenten-Gruppe fuer Touren gilt "Deore" in der Version "XT", nicht die allerleichteste, aber die ausgewogenste Verbindung von Qualitaet und Gewicht, die die Japaner bieten.

Die marktbeherrschende Stellung von Shimano hat den gleichen Vorteil, den das universelle Windows besitzt. Auch fernab der heimischen Gefilde kann man mit einem aehnlichen Angebot rechnen. Allerdings gibt es in diesem Fall eine sehr ernstzunehmende, wenn auch verrueckt-teure Option. Die Rede ist von einer unter Eingeweihten weithin bekannten 14-Gang-Nabenschaltung "Made in Germany". Ihr Ruf ist legendaer, sie ist weltreiseerprobt (will sagen: 20.000 Kilometer und mehr). Selbst in den Internet-Diskussionsgruppen amerikanischer Radler raunt es von Ferne ihren Namen: "Rohloff". Die Nabe bringt zusammen, was man sonst unter der Rubrik "Zielkonflikt" als nicht machbar ablegt, naemlich die extreme Spreizung einer Kettenschaltung mit der Langlebigkeit und dem Bedienungskomfort einer Nabenschaltung. Das eben muss man bei den modernen Kettenschaltungen in Rechnung stellen: Die neun Kraenze hinten und die drei vorne bedeuten, dass die Kette sehr schmal sein muss und fast nie in gerader Linie, sondern bergauf bergab diagonal ueber die Zaehne laeuft. Kraenze und Ketten sind deshalb ausgesprochene Verschleissteile. Hinzu kommen die Anfaelligkeit solcher Schaltungen fuer Verschmutzungen wie schliesslich die Unmoeglichkeit, im Stand zu schalten. Die 'Rohloff' kann all das hervorragend, freilich fuer den Preis eines guten Fahrrades, das heisst um die 800-850 Euro. Ob das viel oder wenig ist, wenn man es zum Beispiel mit der 15%-Abschreibung eines Mittelklassenwagens pro Jahr vergleicht oder anderen selbst gewaehlten Bezuegen, muss jeder fuer sich waegen. Fuer denjenigen, der sich nicht auf eine Weltreise begibt, ist die Rohloff sicher ein Overkill fuer geringe real existierende Probleme mit Shimano-Schaltungen, zumal die Rohloff das in etwa gleich gute Fahrrad im Preis fast verdoppelt. Wer sich eine "Rohloff" leisten kann, schliesst dafuer eine Freundschaft fuers Leben.

Gepaecktraeger:nach oben
Im Bereich der Gepaecktraeger gilt die Diskussion, wer die besten sind, seit laengerem als entschieden. Nichts geht ueber die Produkte des in Muenster ansaessigen Herstellers Tubus. Die asketisch wirkenden Traeger von Tubus sind aus Stahlrohr geformt, leicht, lassen sich - siehe oben - auch am Rande des Kaukasus schweissen, heben sich allerdings auch durch eine Preisgestaltung ab, die dieser einsamen qualitativen Spitzenstellung voll gerecht wird. Der vordere Gepaecktraeger - der sog. "Low-Rider" - kostet je nach Ausfuehrung um die 60 Euro, der hintere knapp 90 Euro. Fuer 150 Euro haelt der anspruchsvolle Kunde dann etwa 1.300 Gramm gut geloetetes Stahlrohr, besagter Supermarkt-Kaeufer dagegen fast ein vollstaendiges Fahrrad in den Haenden.

In diesem Zusammenhang ist ein besonderer Umstand erwaehnenswert. Es geht um die Vordergabel, die es bei neuen Fahrraedern inzwischen fast nur noch mit Federung gibt. Wer einen Lowrider einsetzt, sollte nach Moeglichkeit auf eine Federung verzichten. Beides, Gepaecktraeger und Federung, gehen nur schlecht zusammen. Zwar hat inzwischen die GGT ("Gesellschaft genialer Tueftler") hierfuer Loesungen entwickelt, aber diese sind zum Teil so prohibitiv teuer, dass sich der komplette Austausch der Vordergabel ohne weiteres rechnet. Fuer die gesparte Summe kann man mit Glueck zweimal nach London fliegen.

Warum es im uebrigen Sinn macht, einen vorderen Gepaecktraeger einzusetzen, merkt man erst, wenn man einmal Gelegenheit hatte, einen solchen selbst zu nutzen. Ab etwa 15 Kilo Gewicht lohnt sich die Verteilung des Gewichts auf das ganze Fahrrad, weil sich das Lenkverhalten dadurch entscheidend verbessert. Der beste Tipp in diesem Zusammenhang lautet im uebrigen immer noch, so wenig und so leichte Ausruestung wie moeglich mitzunehmen.

Radgroessenach oben
26er-Raeder gelten in Deutschland nicht als vollwertige Raeder, sondern als etwas fuer Heranwachsende. Im Tourenbereich kann man die Aussage umkehren. Die besten, fuer lange Auslandstouren gedachten Raeder sind haeufig mit 26er-Felgen ausgestattet. Warum? Erstens wegen der deutlich hoeheren Stabilitaet und Belastbarkeit, dann wegen der groesseren Wendigkeit bei schlechtem Gelaende - auch MTBs sind bekanntlich mit dem 26er-Standard ausgestattet. Schliesslich sind die 28-Zoll-Raeder eine mitteleuropaeische Spezialitaet. Die Ersatzteilversorgung ist andernorts nicht gewaehrleistet. Wer weiss, dass er sich fast ausschliesslich in heimischen Gefilden und auf asphaltiertem oder nur maessig unebenem Terrain bewegt, wird weiterhin auf 28-Zoll zurueckgreifen. Doch selbst hierzulande entpuppen sich ausgeschilderte Radwege gelegentlich als Morast- und Schlaglochpisten, die fuer Rennraeder unpassierbar sind.

Bremsennach oben
Die heutigen Bremsanlagen haben durchweg einen hohen Stand erreicht und sind mit frueheren Moechtegern-Bremsen nicht mehr zu vergleichen. In punkto Sicherheit verkoerpert diese neue Bremsengeneration den wichtigsten Fortschritt der letzten Jahrzehnte. Als das Beste vom Besten gelten in den einschlaegigen Kreisen die Produkte der Firma Magura. Es handelt sich um hydraulische Bremsen nach dem Vorbild des Autos, bei der die Kraftuebertragung in abgedichteten Leitungen durch oel geschieht. Gegen Magura-Bremsen werden gelegentlich zwei Einwaende erhoben: die Schwierigkeit, sie bei einem Defekt waehrend der Tour zu reparieren, und die Belastung der Felgenflanken durch die scharf zupackenden Bremsbelaege. Den Erfahrungsberichten von Radlern und Haendlern zufolge greift der erste Einwand nicht, weil die Bremsschlaeuche wie auch die anderen Komponenten ausserordentlich langlebig bzw. wie die Bremskloetze sehr leicht zu wechseln sind. Magura-Bremsen seien, wie mir ein spezialisierter Haendler sagte, "um den Faktor zehn weniger anfaellig" als Seilzugbremsen.

Der zweite Einwand spiegelt im Grunde nur den Vorzug dieser Bremsen wieder: ihre enorme Bremswirkung unter Extrembedingungen. Wer sich auf die ganz grosse Tour begibt, sollte auf Keramik-beschichtete Felgenflanken achten. Auch wenn es fuer denjenigen, der bei der Planung einer Alpentour mit mulmigem Gefuehl auf markante Streckenprofile schaut, wie blanker Hohn erscheint: das eigentlich Wichtige ist nicht das Hoch-, sondern das gesunde Wieder-Herunterkommen. Mit beladenem Bike werden bei Abfahrten im Hochgebirge muehelos Spitzengeschwindigkeiten von 70 kmh erreicht. Welcher Autofahrer wuerde sich wissentlich auf eine solche Tour mit unwirksamen Bremsen begeben - wobei dieser Autofahrer immerhin noch mit einer ADAC-geprueften Knautschzone rechnen koennte? Die enorme Belastung der Bremsen bei Abfahrten mit Gepaeck ist auch der Grund, warum man von Scheibenbremsen absehen sollte. Sie werden bei Dauerbelastung zu heiss und es besteht die Gefahr der Verglasung des Materials.

Beleuchtungnach oben
Beim Thema Beleuchtung geht es neben dem Reflektor vor allem um den Dynamo. Hier ist der Rollendynamo im Vorderrad dem traditionellen Kippdynamo eindeutig ueberlegen, funktioniert ersterer doch unter allen Umstaenden. Shimano bietet hier schon lange eine sehr gute und vergleichsweise preiswerte Loesung. Auch hierzu gibt es als Option eine deutsche Hi-Tech-Loesung aus einer Kleinstproduktion, den "SON-Dynamo". Der "SON" hat eine noch niedrigere Reibung als sein japanisches Gegenstueck, ist aber ebenso wie die Rohloff-Nabe nur zu einem vergleichsweise sehr hohen Preis zu haben. Allgemein gilt, dass das Thema Beleuchtung zentral fuer den Fahrradalltag ist, bei Touren aber hinter andere Probleme zuruecktritt. Solche Touren spielen sich zumeist in der waermeren Jahreszeit, vor allem aber bei Tageslicht ab. Aus diesem Grund fehlen selbst in den einschlaegigen Erfahrungsberichten von Weltenbummlern haeufig Hinweise auf diesen Aspekt.

Lenkernach oben
Bei den Lenkern scheiden sich die Geister. Aus Stabilitaetsgruenden lehnen sich viele Tourenbikes bei der Lenkerwahl an die Mountainbikes an. Gewaehlt wird ein relativ gerader, sehr stabiler Lenker mit "Hoernchen" an der Seite zum Ziehen in steilen Passagen und zum gelegentlichen Umgreifen der Haende beim Wechsel der Sitzposition. Den Ruf als beste und komfortabelste Loesung fuer lange Strecken geniesst aber immer noch der Rennlenker. Das Problem dieser Loesung besteht darin, dass man bei Schaltungs- und Bremsgriffen aus dem Bereich der Standardkomponenten hinaus in den Rennbereich kommt. Dabei treten mitunter Anpassungsschwierigkeiten auf, die sich nur durch Umbauten und individuelle Loesungen umgehen lassen. Auch hier gilt: Nichts ist unmoeglich!

Gepaecktaschen:nach oben
Ortlieb. Alles andere teilt sich die hinteren Plaetze.

Sattel:nach oben
Ein guter Haendler laesst den Kaeufer den Sattel ausprobieren. Viele schwoeren nach wie vor auf die Ledersaettel von Brooks. Einmal eingefahren, ist ihr einziges verbleibendes Manko, dass sie sich bei Regen voll saugen und schwer werden. Aber nicht jeder hat das Durchhaltevermoegen, einen Brooks auf eigene Kosten annehmbar weich zu reiten. Inzwischen gibt es von anderen Herstellern gute Kombinationen von Gel und Leder wie ueberhaupt die Gelsaettel sehr aufgeholt haben und mittlerweile langstreckentauglich sind.

Tachometer etc.nach oben
Fuer Dauerregen tauglich scheint keines der am Markt angebotenen Produkte zu sein. Die Urteile der Weltenbummler sind bei nur geringen Unterschieden zwischen den Marken kritisch. Wer Alpentouren oder laengere Aufenthalte in anderen Gebirgsregionen plant, kann ueberlegen, eine Kombination aus Kilometerzaehler und Hoehenmesser zu waehlen.

Sonstigesnach oben
Die Wunschliste liesse sich noch weiter verfeinern.

Vorbau:nach oben
Man sollte Vorbauten waehlen, die direkt auf dem Steuersatz aufsitzen. Der Lenker wird dadurch stabiler gehalten und der Steuersatz kann sich gar nicht erst losdrehen.

Speichen:nach oben
Wer 28er-Felgen waehlt, sollte bei schwerem Gepaeck wenigstens am Hinterrad auf Naben achten, die 40 Speichen zulassen. DT Swiss sind die Speicher der Langstreckenradler.

Lowrider:nach oben
Zusatzstaender zur Abstuetzung der vorderen Taschen sind eine sehr sinnvolle Einrichtung.

Decken:nach oben
Einzelne Fahrraddecken gelten als "Kleber", die den Fahrspass gruendlich verderben. Erkundigen!

Zusammenfassungnach oben
Das Traum-Bike besitzt mithin einen Stahlrahmen, 26-Zoll Reifen, aber keine Federgabel, einen stabilen Vorbau, zwei Tubusgepaecktraeger, zwei Staender, einen Brookssattel, einen Rennlenker, eine Rohloffschaltung, Magura-Bremsen, einen SON-Dynamo. Nicht alles davon muss man unbedingt haben und zu beachten ist auch, dass etwa der Rennlenker nicht ohne weiteres mit der Rohloff-Naben-Schaltung zusammengeht. In die Naehe dieser Vorgaben kommt man mit Ausgaben zwischen 1.800 bis 2.700 Euro.

Last but not least...nach oben
Ein Fahrrad ist wie ein Anzug. Es muss sitzen. Das spricht gegen eine Katalogloesung.

nach oben
zur uebersicht




Radreisetaugliche Zelte

nach oben
Ich habe einige Zeit damit zugebracht, mich im Netz und durch Besuche in Outdoor-Laeden ueber fahrradreisetaugliche Zelte zu informieren. Ich denke, dass ich auf diese Weise mittlerweile den groesseren Teil der gegenwaertig (Anfang 2005) fuer diesen Zwecke in Frage kommenden Zelte - nur um diese geht es hier - kennengelernt habe. Die folgenden Ausfuehrungen praesentieren das Ergebnis der Recherche, und zwar einmal in - Kurz - und einmal in - Langform -:

Wem das nicht reicht: Der folgende Link führt zu einer hervorragenden englischsprachigen Zelt-Suchmaschine! hier


Die Kurzform: nach oben

Kriterien: nach oben
Die wichtigsten Kriterien lauten 1. Wasserdichtigkeit, 2. Sturmfestigkeit, 3. Langlebigkeit, 4. Breite, 5. Laenge, 6. Abstellmoeglichkeit, 7. Packmass, 8. Gewicht, 9. Preis.

1. Wasserdichtigkeit: nach oben
Minimum fuer Aussenzelt: 1.500 Wassersaeule,
Zeltboden: 2000-3.000 Wassersaeule; relatives Optimum aussen: 5.000 Wassersaeule; Boden: 10.000 Wassersaeule.

2. Sturmfestigkeit: nach oben
Unter normalen mitteleuropaeischen Bedingungen kein Problem. Auf "Seasons"-Angabe achten (Two-Seasons, Three-Seasons, Four-Seasons)!

3. Langlebigkeit: nach oben
Gestaenge: Glasfibergestaenge vermeiden (schwer und bruchgefaehrdet), stattdessen Aluminium.
Aussenhaut: Material- wie auch pflegeabhaengig, fruehzeitiges Nachimpraegnieren hilft fast immer und schadet selbst bei Spitzenzelten nicht.
Boden: zusaetzlichen Unterboden kaufen, gibt es passend vorkonfektioniert.

4. Breite: nach oben
Hier sind wie bei der Laenge natuerlich die Innenzeltmasse entscheidend:
fuer Einzelperson kein Problem.
- Als "zwei-Personen-tauglich" gelten Zelte ab 100 cm Breite, realistisch sind 120 cm.

5. Laenge nach oben:
Wer unter 190 gross ist, fuer den gilt, "kein Problem". Viele Radler scheinen aber - den Erfahrungsberichten in den Biker-Foren zufolge - lange Kerls zu sein. Fuer wen das zutrifft, der kommt mit dem ueblichen Minimum von 200cm Innenlaenge nicht aus, weil die volle Laenge, abhaengig von der Zeltform, nie ganz nutzbar ist.

6. Abstellmoeglichkeit:nach oben
Wohin mit dem Gepaeck bei Regen und zur Sicherung gegen Diebstahl? In der Apsis im Innenzelt oder Aussenzelt sollte dafuer Platz sein. Dafuer ist vor allem die Laenge des Innenzeltes relevant.

7. Gewichtnach oben
1.500g erreichbares Optimum, ueber 3.000g vermeiden!

8. Packmass:nach oben
Das Packmass reicht bei Leichtzelten bis 60 Laenge; haeufig sind 52 cm, optimal sind 42 cm. Die Breite stellt mit 20-30 cm kein Problem dar.

9. Preis: (Stand 2/2005) nach oben
Die Preise beginnen bei 100 Euro. Bei Sonderangeboten von Mittelklassezelten liegt der Preiskorridor zwischen 120-150 Euro. Die obere Mittelklasse ist eingeschlossen mit rd. 300 Euro. Die Oberklasse wird erreicht mit 500-600 Euro u.m.

Die Langform nach oben
Herstellernamen fuer die Suchmaschinen (subjektive Auswahl): Nordisk, Salewa, MSR, Wechsel, Tatonka, Globetrotter, MacPac, Vaude, Hilleberg

Gewicht nach oben
- In den Diskussionsgruppen fuer Fahrradreisen finden sich haeufig Kommentare der folgenden Art: 'Mein Zelt ist prima, aber das naechste Mal werde ich mir ein noch leichteres kaufen. ' Wer sich die Muehe macht, in einem Geschaeft ein eingepacktes Zelt mit, sagen wir, 3,7 Kilogramm Gewicht, in die Hand zu nehmen, merkt, dass das ein 'Brocken' ist. Das Ganze hinten auf dem Gepaecktraeger, mit allem Zubehoer und einer entsprechenden Steigung vorgestellt, macht klar, wie es zu solchen Kommentaren kommt. Der Markt bietet inzwischen relativ viele leichtere Zelt an. Wichtig ist, im Auge zu behalten, das Preis und Gewicht eng zusammenhaengen. Ein um 500g geringeres Gewicht verteuert ein Zelt gleichen Typs bei der Fa Wechsel etwa um 100 Euro. [Hinweis: Die verschiedenen Zelt-Ausfuehrungen bei der Fa. Wechsel heissen "Zero-G-Line" - Ich nehme an, soll heissen, 'Nullgewicht' und "Travel-Line" oder "TL".]
Wer auf besonders guenstige Angebote trifft, sollte genau auf solche Zusaetze achten! Es gibt Normal- und Leichtausfuehrungen auch von anderen Herstellern.
- Manche Firmen geben fuer den gleichen Typ Brutto- und Nettogewicht an. Die Differenz bezieht sich meistens auf das Gewicht der bei gutem Wetter wegzulassenden Heringe. Mindestgewicht heisst uebersetzt also Zelt ohne Packsack, Extraschlaufen und mit einem Minimum an Heringen.
- In den Angaben zum Bruttogewicht fehlt grundsaetzlich die notwendige Zeltunterlage, die mit etwa 300g zusaetzlich zu Buche schlaegt. Die Unterlage gibt es fix und fertig (um die 25 Euro). Man kann sie aber genauso gut und vor allem guenstiger selbst zurecht schneiden aus entsprechender Folie vom Baumarkt.
- Die Gewichtsunterschiede bei den Ausfuehrungen erklaeren sich weniger aus Unterschieden bei den Heringen und oft auch nicht bei den Stangen, sondern ueberwiegend aus dem spezifischen Gewicht verschiedener Materialien. Das leichtere Zeltmaterial hat trotz des hoeheren Preises oft eine etwas geringere Wassersaeule. Da das Material aber hochwertig ist, faellt die geringere Dichtigkeit in der Praxis meist nicht ins Gewicht. In jedem Fall aber benoetigen auch sehr leichte hochwertige Zelte eine zusaetzliche Unterlage. Dass der Zweck nicht ausgeblendet werden kann, zeigt sich daran, dass man im Bereich der reinen Expeditionszelte keine Ultraleichtzelte finden wird.

Breite: nach oben
Die Zeltbreite ist bei zwei Personen ein wichtiges Kriterium fuer guten Schlaf und stellt - mehr noch als die Laenge - in Verbindung mit Preis und Gewicht so etwas wie das Nadeloehr bei der Auswahl dar. Man mache mit einem Zentimetermass auf dem Fussboden einmal die Liegeprobe. Schnell wird einem klar, dass 50 cm pro Person fuer komfortables Schlafen nicht reichen. 60 Zentimeter repraesentieren das Minimum. Wichtig ist die Zeltform. Nur bei sehr steilen Waenden entspricht die angegebene Grundflaeche in etwa auch der Nutzflaeche. Manche Hersteller zeichnen in den Grundrissen die Personen versetzt schlafend ein oder bieten diagonale Grundflaechen an. Ich bin bislang auf keine diagonal geschnittenen Luftmatratzen oder Schaummatten gestossen.

Zelttypen und Zeltform allgemein nach oben
Wer allein reist, ist schoen raus. Der Alleinreisende findet eine relativ grosse Auswahl an Zelten vor.
- Es beginnt mit der klassischen Sarg-Form. Sie hat den Vorteil sehr leicht, stabil und relativ preiswert zu sein. Ein typischer Vertreter dieser Bauart ist das "Gossamer" fuer ca 100 Euro, das u.a von Globetrotter angeboten wird. aehnliches gibt es auch von anderen Herstellern. Die Defizite der "Saerge" liegen allerdings oft bei der Gepaeckunterbringung, dem Trocknen von regennasser Kleidung wie auch allen anderen Aktivitaeten im Zelt. Ein mehrstuendiger Aufenthalt waehrend des Tages bei Dauerregen, das Lesen von Karten zur Planung der Route fuer den naechsten Tag, vom Kochen ganz zu schweigen, kann man "vergessen".
- Komfortabler sind demgegenueber Zelte, die laut Grundriss fuer "anderthalb" Personen angeboten werden. Zumindest das Gepaeck geht dort ohne weiteres hinein. Wichtig ist auch, dass die Konstruktion im Eingangsbereich "hochgezogen" ist. So kann man immerhin an einer Stelle aufrecht sitzen und sich halbwegs komfortabel umkleiden. Das "Zoid" von MSR entspricht diesem Prototyp wie auch das "Challenger" von Wechsel.
Zwei Reisende haben dagegen mehr Probleme, alle Wuensche unter einen Hut zu bekommen.
- Fuer die, die zu zweit reisen und im Zelt nur schlafen wollen, kann es wichtig sein, zumindest zwei Ausgaengen zur Verfuegung zu haben, aus denen man seitwaerts aussteigen kann. Diese Moeglichkeit bietet das VauDe Space II.
- Um gelegentlich einmal Kochen zu koennen, ist eine groessere ueberdachte Aspsis wichtig. Das findet man haeufig in Verbindung mit sogenannten Tunnelzelten. Diese Konstruktion ist aesthetisch nicht besonders ansprechend. Sie wirkt durch die langen Dreiecke vorne und hinten etwas provisorisch, ist auch nicht ganz so windstabil und bedarf unbedingt der Abspannung. Tunnelzelte haben aber den Vorteil steiler Zeltwaende und dadurch einer guten Nutzung der vorhandenen Grundflaeche. Die lange Apsis faellt buchstaeblich nicht stark ins Gewicht, so dass es von diesem Typ mehrere leichtgewichtige Angebote gibt.
- Ein Zelt mit in der Mitte gekreuzten Stangen ("Kuppelzelte) hat viele Vorteile u.a. den, dass man es auch aufgebaut noch versetzen kann, wenn man zu spaet merkt, dass der Schlafsack auf einer Wurzel steht. Solche Zelte kommen mit vier Heringen, bei absoluter Windstille u. U. ganz ohne einen aus. Aber fast alle Zelte dieses Typs sind relativ schwer. Eine Ausnahme bildet das Deneb mit 2,5 kg. [Eine sehr gute uebersicht ueber viele auf dem Markt erhaeltliche Kuppelzelte gibt es HIER]
- Daneben gibt es noch die klassische Zeltvariante in der einfachen Dreiecksform in sogenannten Light- und Ultralightausgaben. Ein Beispiel waere das "Hogan Ultralight". Die Vor- und Nachteile dieses Typs sind offensichtlich. Es sind reine Schlafzelte, in denen es eng zugeht. Immerhin sind sie in der Mitte hoch genug, um sich geschuetzt umzuziehen. Ein "extremer" Vertreter dieser Gattung ist das "Norddisk Carry light", gerade gross genug fuer zwei Personen, leicht, zu einem Preis von nur 50 Euro. Alle Verkaeufer, selbst diejenigen, die es im Programm haben, rieten mir davon eher ab ("Gartenzelt"). Die Kommentare der Kunden bei Globetrotter dagegen klingen durchaus zufrieden und, was das Preis-Leistungs-Verhaeltnis betrifft, zum Teil sogar gut. Ich gebe das so wieder.

Packmass: nach oben
Die meisten Zelte sind vom Packmass her so gross, dass sie quer auf dem Gepaecktraeger transportiert werden muessen. Die Fa Wechsel bietet dazu eine Alternative. Durch einen entsprechenden Gepaecksack und eine Halterung laesst sich das Zelt wie eine Tasche hinten auf einer Seite des Gepaecktraegers anbringen. Zu sehen ist das unter folgender Adresse:

Preise - Sonderangebote nach oben
"Schnaeppchen" sind bei dieser Art Reisezelt viel seltener als bei anderen Artikeln. Die Preise der Outdoor-Internet-Versandhaeuser variieren nur um wenige Prozent. Wo im Einzelfall groessere Preisdifferenzen auftauchen, ist besondere Aufmerksamkeit geboten und die Typen-Bezeichnung genau zu pruefen. Auch sollte man unbedingt auf die Verkaufs- und Rueckgabebedingungen achten! Was dieses wichtige Kriterium angeht, gibt es unter den Outdoor-Versendern leider einige krasse 'Ausreisser'.
Interessanterweise scheint ein Ebay"-Markt bei hochwertigen Zelten kaum zu existieren. Vielleicht gelten Zelte als "Unterwaesche"?

Wo kaufen? nach oben
Das Folgende ist, wie alles andere hier, subjektiv und beruht zum Teil auf Hoerensagen: "Globetrotter" wird als Internet-Versandhaus allgemein wg. der sehr kulanten Rueckgabemoeglichkeiten gelobt (Hotline: "Sie koennen das Zelt ruhig im Wohnzimmer aufbauen und eine Nacht drin schlafen. Achten Sie nur darauf, dass es nicht schmutzig wird."). Bei den Internet-Infos dieses seit Jahren renommierten Versandhaendlers gibt es jedoch Verbesserungsmoeglichkeiten. Der grosse Nutzen der Globetrotter-Internet-Seiten liegt vor allem bei den vielen dort wiedergegebenen Kaeuferkommentaren. Sich dem gelegentlich auch einmal harschen Kundenurteil in dieser Form zu stellen, ist jedenfalls in dieser Ausfuehrlichkeit einmalig, kommt dem "Kredit" aber offenbar sehr zugute.
Fuer mich die beste Informationsmoeglichkeit im Netz zu den technischen Details kleinerer Touren- Zelte ist der Internet-Shop von "Peak-Berlin". Die Fa. macht auch sonst einen serioesen Eindruck. Man findet dort nicht die billigsten Angebote, aber nach meinem Eindruck fast immer gute Preise und korrekte Versandbedingungen, was - wie gesagt - leider keine Selbstverstaendlichkeit ist.
Der Kauf beim lokalen Haendler hat, was dieser Art Zelt angeht, sehr viel fuer sich, erstens, weil es im persoenlichen Gespraech oft Verhandlungsmoeglichkeiten gibt (Stichwort 'Ausstellungsstueck'), die sich im Internet nicht auftun, und - zweitens -, weil es bei Zelten fuer Fahrradreisen um besonders spitz gerechnete Optimierungen geht (Gewicht vs. Groesse vs. Preis), bei denen nur der persoenliche Augenschein hilft. Ob eine Breite von 110 cm gerade noch akzeptabel erscheint, laesst sich bei einem Zelt nur im aufgebauten Zustand und durch direkten Augenschein entscheiden.

Tipp:
Im Fruehling oder Herbst eine Camping-Messe besuchen und am letzten Nachmittag direkt bei den Ausstellern kaufen! nach oben


Vorschlaege nach oben
Leben heisst entscheiden,deshalb ein paar Vorschlaege:
- Relativ viele Beduerfnisse bekommt man mit dem "Deneb" von Vaude unter einen Hut. Der Zwang zu Kompromissen ist bei diesem raeumlich grosszuegigen Zelt am geringsten. Allerdings: Das Zelt wiegt mit 2,5 Kilo rd. ein Kilo mehr als die leichtesten Alternativen und bewegt sich preislich mit 300 Euro am oberen Rand der Mittelklasse.   Deneb
- Ein Zelt, das viele Beduerfnisse erfuellt, ist das Tadpole 23. Es gibt eine Neuausgabe in 2005. Es bietet Platz genug fuer zwei Personen und ist dennoch relativ leicht (2.300 g.) Es gilt als sturmstabil und steht zur Not fast ohne Heringe, da es in geodaetischer Bauweise gefertigt wird. Wasserdichte: (Aussenzelt / Boden): 3.500/5.500 mm WS; Packmass: Ø 55 x 16 cm; Gewicht: 2300 g) - Empfohlen wird es auch von dem Schweizer Fernradler Betzgi auf seiner Homepage - hier
- Geht es darum, nur zu schlafen und das Gepaeck unterzubringen, bieten sich mehrere Zelte an: das Khamsin II. Ein Zelt wie das Khamsin liegt preislich deutlich unter dem Deneb. Es kostet mit etwa 150 Euro nur rd. die Haelfte. Khamsin II
Das Zoid I fuer eine bzw. das Zoid II fuer zwei Personen an.
Zoid
Das leichteste Zwei-Personen-Zelt schliesslich, 1,5 Kilo schwer, eine gerade noch akzeptable Notunterkunft fuer zwei Personen, relativ teuer (260-300 Euro), mit der Massgabe sich fuer das Gepaeck eine alternative Loesung ueberlegen zu muessen, ist das Hogan Ultralight. Hogan
North Face Mountain Marathon Extra leichtes und klein verpackbares 1-Personen-Zelt fuer geplante Biwaks, zum Radfahren, als Alternative zu ueberbelegten Huetten... Mit kleiner Apsis im Kopfbereich. Wassersaeule Boden 5000mm, Laenge 244cm, Breite 109cm, Hoehe 71cm, Gewicht inkl. Gestaenge und Packsack 1,49kg, Packmass 46x13cm. ca 250 Euro Mountain Marathon
Das Helsport Stetind (jetzt. "Ringstind") zeichnet sich v.a. durch seine ultrakompakten Packmasse aus 12x42. Es wiegt nur lt. Hersteller 1.570 g., gilt als 3-Jahreszeiten-Zelt mit hoher Windstabilitaet. Solche Qualitaet hat ihren Preis: um 440,- Euro Stetind
855 Gramm!!! - Leichter geht's fast nicht mehr - Das "Rainbow" Neuerscheinung 2006: hierRainbow
Last but not least: Wer viel Geld mitbringt, schaut sich bei Hilleberg, dem schwedischen Spezialisten, um.

Liste von Zeltnamen fuer die Suchmaschine
VELA Leichtzelt von Exped/1 Person - BIVI Biwakzelt von VAUDE/1 Person - wEIGHT WATCHER RT von Jack Wolfskin/1 Person - REFUGE von VAUDE/1 - 2 Personen - ORBIT 2 und POLAR 2 von Tatonka/ 2 Personen - VENUS von Exped/2 Personen - HOGAN ULTRALIGHT von VAUDE/ 2 Personen - SOUTHERN CROSS von Exped/ 2 Personen - ARCTIS II von TATONKA/ 2 Personen - BERGEN II COMPACT von SALEWA/ 2 Personen - CHINOK II von Jack Wolfskin/ 2 Personen - ARC ONE von Our Planet/ 2 Personen - LIGHTPACKER von Our Planet/ 2 Personen - TUNDRA III von Jack Wolfskin/ 2 - 3 Personen - Tadpole 23
Hinweise zu Zelten auch hier

Testuebersicht des Outdoormagazins - sehr nuetzlich: hier

   

   nach oben

WIE KOCHEN BEIM RADREISEN?

nach oben

ueberlegungen zum Thema Kochen bei einer Radreise stehen wie ein Daenenprinz vor der Frage, Kochen oder Nichtkochen, denn anders als das Radeln selbst gehoert das Kochen zu den Optionen des modernen Pedalritters, und zwar auch dann, wenn man die Naechte im Zelt verbringt.

WAS SPRICHT FUER, WAS GEGEN DAS KOCHEN?

CONTRA

- Der Zeitverlust am Morgen durch das langwierige Aufbereiten von heissem Wasser (15-20 Minuten) bildet in der Rechnung einen wichtigen Faktor, ist doch das Aufstehen nichts, was man nach einer Nacht im Minizelt auf hartem Boden gerne tut. Hinzu kommt die Frage: WER KOCHT? Wenn der Platz neben einem nur von Ortliebtaschen gefuellt ist, muss man die Zeit fuer das Kochen noch zu der Spanne fuer's Duschen, Zaehneputzen, Rasieren, Broetchenholen addieren. Auch das Spuelen kann man kaum weglassen ebenso wenig wie das Schlangestehen beim Baecker, beim Duschen, beim Spuelen und natuerlich die Wege dazwischen. Als eintaegiger, einzelreisender Gast gibt's bei der Anmeldung nur selten den optimal gelegenen Zeltplatz. Da sind anderthalb Stunden goldener Morgenstunde leicht vertan. Und wer will erst um 10 Uhr starten?

Man waege die Alternativen: Raus aus den Federn, heiss geduscht, ein frisches Croissant plus Kaffee beim Platzobmann im Stehen und nicht im Hocken, Zelt gepackt und geradewegs in den Sattel. Selbst im unwahrscheinlichen Fall, dass sich der Platzwart die Nebeneinnahme entgehen laesst, die Strasse, auf der man in Mitteleuropa nicht nach 250 Metern auf einen Croissant-Shop nebst Kaffeeautomaten stoesst, muss erst noch gebaut werden. Morgens Fruehstuecken unter Anwerfen des eigenen Kochers? Vergessen, wuerde ich sagen!

- Wie waer's mit mittags Kochen? Hoert sich gut an, aber wie und wo spuelen wir?

- Und abends Kochen? Wozu kochen, wenn man den Bauch noch voll vom leckeren Kuchen hat? ueberhaupt sind doch wohl jetzt spaetestens Broetchen, Aufschnitt und alkoholische Getraenke angesagt.

- Und wie waer's bei Regen kochen???

- Nicht unterschaetzen sollte man den Gewichtsfaktor. Kochen heisst Brennstoffvorrat plus Reserve (!) (mind. 500 g), Kocher (200-600g), Topf, Pfanne, Wasserkessel, Griff, Deckel (mind. 600-800g), Ruehrloeffel, Spueli, Buerste, Trockentuch usf. transportieren, macht wenigstens zwei Kilos mehr bei jedem Anstieg.

- Und schliesslich waeren da noch die zu transportierenden Vorraete: die frischen und die angebrochenen!

- Last but not least: Nicht immer wird man den Campingplatz seiner Wahl erreichen. Dann bleiben nur Jugendherberge oder Hotel. Auf dem Zimmer laechelt einen dann das Kochgeschirr muede an.

These: In Mitteleuropa gibt es buchstaeblich an jeder Kreuzung Versorgungsmoeglichkeiten. Wenn man schon beim Schlafen spart und im Zelt naechtigt, sollte man sich wenigstens kulinarisch nicht weiter maltraetieren. Das Geld und vor allem das Gewicht der Ausruestung kann man sich sparen.

PRO

- Was die Zeit angeht, rechnet sich alles anders, wenn man in einer groesseren Gruppe reist. Dann teilt man sich die Arbeit. Vieles laeuft parallel. Waehrend die Kids ohne zu Murren die Broetchen heranschaffen, teilen sich Frau und Mann eintraechtig die Arbeit.   :-)

- Der Kostenfaktor: Der Cappuccino morgens ist nicht umsonst, schon gar nicht fuer mehr als eine Person. Ausserdem fuellt der Liter warmer Tee den Bauch ganz anders als das, was der Chef offenbar fuer Kaffee haelt. Unter 50 EURO kommt man zu viert selbst beim Chinesen nicht weg. Mittags in der Innenstadt oder auf der Landstrasse Wasser besorgen und Geschirr spuelen, ist nicht einfach zu bewerkstelligen, aber wenn man die Gegenrechnung aufmacht: Nudeln mit Tomatensauce vom Discounter fuer vier Personen zu wenig mehr als zwei EURO Rohstoffpreis gegen Schweizer Restaurantofferten, steigt der Anreiz, eine Loesung zu improvisieren, gewaltig an. Und wer sagt ueberhaupt, dass man mittags kochen muss? Zugegeben, morgens lohnt es sich, im Interesse eines fruehen Losfahrens auf das Auspacken des Kochgeschirrs zu verzichten und mittags ist das Outdoor-Spuelen kompliziert, aber abends stellen sich die Zeit- und Geldrechnung ganz anders dar.
Zur Illustration des Spareffekts eine Modellrechnung:
Eine Person reist vierzehn Tage, naechtigt sieben Mal auf dem Campingplatz, kocht abends fuenfmal (einmal faellt aus wg. Regen, einmal kommt die Einladung vom aelteren Ehepaar mit dem braunen Hymermobil nebenan):
Kostenersparnis wenigstens 35-50 EURO. Ab dem dritten bzw. vierten Urlaub ist die Ausruestung (140 EURO) bezahlt. Das Ganze kann man nun mit der Zahl der Personen weiter hochrechnen. Bei zwei Personen hat man mit ein wenig Askese und Disziplin die ganze Ausruestung nach einem Urlaub bezahlt.

- Angebrochene Vorraete? Einmal durchatmen und dann wegwerfen!

- In manchen Gegenden ist das Selbstversorgen ohne Alternative.

These: Wer zwei Wochen und mit mindestens einem Begleiter reist, der kann - egal, wo er hinfaehrt - mit einem Kocher viel Geld sparen und hat den Spass, den das Do-it-yourself nun einmal macht. In einsamen Gegenden gibt es zur Selbstversorgung eh keine Alternative.

WELCHER ENERGIETRAEGER? nach oben

Die wichtigsten Eigenschaften:
- Gas, sauber; keine Wartung; leicht zu entzuenden; sehr gut zu regeln; bei schlechtem Wetter zur Not sogar im Zelt bzw. der Apsis nutzbar; sehr windempfindlich und selbst in Mitteleuropa u.U. schwer zu beschaffen; verschiedene Standards; zum Teil nicht separat vom Brenner transportierbar.
- Spiritus, leicht zu entzuenden, mittlere Energiedichte, sauber, nur grob zu regeln, auch Dosierung ein Problem, im Zelt kaum moeglich, nicht immer leicht zu beschaffen, mehrtaegiger Vorrat kann mit dem Rad gut mitgefuehrt werden, da ergiebig.
- Benzin, leicht zu beschaffen, hoechster Brennwert, weniger windempfindlich als andere Quellen, sehr niedrige Verbrauchskosten, nicht sauber, deshalb abgesehen von Diesel (!) hoechster Wartungsbedarf, etwas schwer anzuzuenden; kaum zu regeln; im Zelt unmoeglich; laut bis sehr, sehr laut; kann aber mitgefuehrt werden (Empfehlung: reines Benzin, sonst bleifrei 'Normal', nicht 'Super' wg. der Additive!).
- Windschutz: Unabhaengig vom gewaehlten Energietraeger gilt, ein guter Windschutz traegt wesentlich, zum Teil entscheidend zu einer guten Brennleistung bei.
These: Die Vor- und Nachteile sind leider so verschieden verteilt, dass man sich sehr genau ueberlegen muss, was man sich bei der Reise in die Taschen packt.
ABWAEGUNG nach oben
- Bei der Fahrt in dichtbesiedelte Gegenden (Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, Schweiz, Oesterreich, Benelux, Daenemark, zum Teil auch Schweden und Norwegen - siehe aber unten "Tipp"), spricht viel fuer Gas. Sauberkeit und perfekte Regulierbarkeit bedeuten hohen Komfort. Die Probleme mit der Beschaffung halten sich in Grenzen. Die einfachsten Brenner kosten 20-30 € und sind ueberaus leicht. Das Geraet sollte allerdings nach Moeglichkeit die Trennung des Brenners vom Energievorrat erlauben (In den USA sollen dem Vernehmen nach Stechkartuschen verboten sein oder demnaechst verboten werden) und vor allem zu den verschiedenen Kartuschen-Standards passen. Es gibt ein entsprechendes Geraet von MSR namens Superfly fuer ca. 80 €, welches diese Kriterien erfuellt. Es passt zu verschiedene Ventilformen (COLEMAN etc. wie auch CAMPING GAZ). Auch ein Adapter, der es erlaubt, Stechkartuschen vom Brenner zu trennen, ist im Fachhandel zu bekommen (noch einmal ca. 25 €). In jedem Fall ist ein zusaetzlicher Windschutz dringend zu empfehlen, sonst kann es frustrierend lange dauern (12 €)!
- Spiritus bekommt man zwar nicht an jeder Ecke, aber in der Regel doch in jedem mittelgrossen Camping-Shop resp. Dorf-Apotheke. Man muss beim Wasserkochen die erforderliche Spiritusmenge abschaetzen, um nicht zuviel zu verlieren, denn einmal eingefuellt, fuehrt kein Weg mehr zurueck in die Flasche, Umgekehrt ist es bei groesseren Menues notwendig, den Brenner nachzufuellen. Dafuer muss er vorher wieder abkuehlen! Beides schraenkt den Komfort ein, sollte aber niemanden vor ein unloesbares Problem stellen.
Der Spirituskocher der Wahl ist seit Jahrzehnten der TRANGIA (27-x-er Serie kleines, 25er-x-er Serie grosses Format - Brenner plus Windschutz plus 2 beschichtete Toepfe komplett fuer ca. 79 €). Er hat viele Vorteile, zumal in Verbindung mit dem neuen Duosalgeschirr (Stahl-Alu-Kombination als Ersatz fuer das kratzempfindliche Aluminium. Alternativen dazu: Alu beschichtet, etwas leichter als Duossal, oder Titan, sehr leicht, aber auch sehr teuer!). Der TRANGIA ist kompakt. Zwei Toepfe plus Kessel passen beim Transport in den Windschutz (Gewicht ca. 1200g). Vor allem der Wind- und Wetterschutz ist perfekt integriert und effektiv. Ueberdies steht er so sicher, dass man ihn gewisse Zeit alleine lassen kann. Ein wenig regulieren laesst er sich auch. Fuer den TRANGIA spricht ferner, dass es diverses Zubehoer gibt. So stellt PRIMUS mittlerweile einen Gasbrenner als Zubehoer her. Nutzer (siehe "www.Globetrotter-Bewertungen"), die sich an den alten Spirituskocher gewoehnt hatten und sich nun den PRIMUS-Gasbrenner als Ergaenzung gekauft haben, aeussern sich begeistert zur phaenomenal gesteigerten Kochleistung. Gegenueber dem Spiritus halbiert der Gasbrenner die Kochzeit. Gut regeln laesst er sich jetzt auch. Da der eigentliche Spiritus-Brenner fast nichts wiegt, hat man so mit dem PRIMUS sogar zwei Energietraeger zur Wahl.
Die Einschraenkung dieser Loesung besteht darin, dass man nicht ohne weiteres die in Suedeuropa verbreiteten CAMPING GAZ-Kartuschen nutzen kann, denn der PRIMUS ist kein Multikartuschenformat-Brenner. Das Problem ist durch einen weiteren Adapter loesbar (15 €). Bleiben Preis und Gewicht als Einschraenkungen. Ein einzelner Gasbrenner (ab 20 €), plus 1 Kessel (ca. 12 €), plus 1 Topf 1,5 l (ca. 10 €), plus separatem Windschutz (12 €), plus Adapter fuer alle Faelle (12 €) bietet, wenn die Versorgung klappt, eine deutlich leichtere (Differenz knapp 1000g) Loesung und ist erheblich kostenguenstiger als die oben skizzierte Variante (ca. 66 € gegen 185 €).
- Wer in die weite Welt will, kommt um einen Benzinkocher nicht herum. Sehr zu empfehlen, weil beim Vorwaermen fast nicht russend, ist unter den Benzinkochern der APEX II von COLEMAN. Die Handhabung aller modernen Benzinkocher ist schnell zu erlernen. Der bekannteste unter den Expeditionskochern, der XGK von MSR, hat eine starre Verbindung zum Benzintank. Er scheidet deshalb fuer das Fahrrad aus. Ansonsten ist das Problem des Zusetzens der Duese gerade bei MSR-Kochern inzwischen gut durch selbstreinigende "Schuettelduesen" geloest. Zur Sicherheit kann man die - in diesem Fall sehr leichten - Ersatzteile fuer alle Faelle mitnehmen. Das fuer den Betrieb optimale Reinbenzin ist zwar nicht ueberall erhaeltlich, aber die Brenner funktionieren auch mit Tankstellenbenzin. Etwas schwierig ist es, Benzin in kleinen Mengen (1 Liter) zu bekommen. Vor allem die hohe Brennleistung macht bei einem Benzinkocher immer wieder aufs Neue Freude. Wer einmal einen Benzinkocher benutzt hat, tut sich mit Spirituskochern schwer.
Fuer Fahrradreisen allein oder zu zweit in Mitteleuropa sind reine Benzinkocher dennoch wohl nicht das Richtige. Der Preis fuer den Apex liegt bei 100 Euro, andere Brenner wie der vielleicht beste Mehrstoffbrenner ueberhaupt, der Omnifuel, kosten 150 € und mehr. Hinzu kommen Benzintankflasche (12 €), Kochgeschirr und Windfang. In der Summe betragen die Anschaffungskosten damit etwa 200 €. Etwas anderes, aber das ist hier nicht das Thema, sind Outdoorfamilienreisen nach Skandinavien. Auch bietet der Benzinkocher die Moeglichkeit, konsequent genutzt, zum Beispiel die Moeglichkeit zu einem Low-cost-USA-Aufenthalt!

FAZIT: FUENF THESEN, VIER EMPFEHLUNGEN, EIN TIPP UND DAS SCHLUSSWORT
nach oben

Thesen

- Der morgendliche Fruehstart ist bei Radreisen ebenso wichtig wie schwierig. Die Empfehlung lautet deshalb, grundsaetzlich auf die Outdoorkueche verzichten und, wenn irgendwie moeglich, den naechsten Baecker ansteuern.
- Fuer Alleinreisende, die in der naeheren mitteleuropaeischen Umgebung fahren, lautet der Rat: Man spart mit dem Zelten schon genug, sucht morgens und mittags den Baecker bzw. ein Restaurant/Imbiss auf und beschraenkt sich abends auf eine kalte Kueche. Das spart Zeit, Nerven, Geld und vor allem Gewicht!
- Ist man als Alleinreisender in einsamer Gegend unterwegs, tun es zum Fruehstueck ein Kessel und ein kleiner leichter Gaskocher zur Wasseraufbereitung mit provisorischem Windschutz. Im Laufe des Tages laesst sich immer ein Restaurant erreichen. Abends bleibt die Kueche kalt.
- Bei Reisen zu zweit, beginnt sich ein groesserer Kocher finanziell zu lohnen, waehrend die Nachteile nicht mehr so zu Buche schlagen. Man teilt sich die Kuechenarbeit wie auch das Gewicht der Utensilien. Gas besitzt gegenueber anderen Energiearten den grossen Vorteil, dass man bei schlechtem Wetter zur Not in der Apsis kochen kann. Mit einer mittelgrossen Kartusche kommt man ca. 3-4 Tage weit, so dass eine gewisse Versorgungssicherheit in jedem Fall garantiert ist.
- Bei Reisen ausserhalb des mitteleuropaeischen Versorgungsnetzes hat demgegenueber der sehr effektive Benzinkocher alle Vorteile auf seiner Seite, auch wenn er in jedem Fall Zubehoer (Flasche, Windschutz) benoetigt.

Empfehlungen: nach oben

- Ab zwei Personen: TRANGIA (Duossal-Ausfuehrung) plus PRIMUS-Gaskocher plus Adapter fuer CAMPING GAZ. Wo Gas und Spiritus in irgendeiner Form verfuegbar sind, ist man dann auf der sicheren Seite. (zus. ca. 165 €)
- Reine Outdoorkueche: der sehr saubere Benzinkocher "Apex II" von COLEMAN.
- Der Nahezu-Alles-Koenner: der "Omnifuel" von PRIMUS fuer Benzin, Petroleum, Gas, in Verbindung mit einem Adapter auch fuer CAMPING GAZ-Kartuschen geeignet, erfordert einen zusaetzlichen Windschutz und eine Tankflasche. Kosten ca. 160 € fuer den Brenner (464g), 12 € fuer die Flasche (1l = 170g), weitere 12 € fuer den Windschutz (87g), 14 € fuer den Adapter (59g), in der Summe also 200,- € (ca. 780g.) ohne Brennstoff.
Tipp
- In Skandinavien, insbesondere in Schweden und Norwegen, sind fast alle Campingplaetze mit Kochstellen ausgeruestet. Da kann der Kocher im Gepaeck bleiben.
Last but not least
Man neigt gerade am Anfang dazu, die Ausruestung zu perfektionieren. Beim Rad gilt aber: Weniger ist mehr!    nach oben
zur Uebersicht
 
   

 

    

   © 2004/05/20 by Michael Prinz;  elektr. Mail: