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Tipps für Tourenradler, Erfahrungen mit Land, Leuten und der Technik

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Das ideale Langstreckenrad



Es kommt darauf an, gilt für alle ernst zunehmenden Urteile über Fahrradkomponenten für das Langstreckenreisen. Nicht nur, weil Zweck und Material angepasst sein wollen, sondern auch deshalb, weil es doch um viel Geld geht. Niemals zuvor haben die Preise für Fahrradkomponenten so weit auseinander gelegen wie in der Gegenwart. Im Supermarkt trifft man neben Yoghurt und Tütensuppen auf Kompletträder, die scheinbar über alles verfügen, was das Herz begehrt, für weniger als 200 €. Dem stehen bei den Spezialisten puristische Fahrräder für 4000 Euro ohne Schutzbleche gegenüber.

Prinzipiell sind bei der Frage nach den besten Komponenten für ein Langstreckentourenrad drei Parameter zu beachten, die die Antwort direkt beeinflussen: Was funktioniert am besten? Was lässt sich bei einem Defekt leicht und überall ersetzen? Was ist das langlebigste?

Der Rahmennach oben
Stahl oder Aluminium? Zur Beruhigung sei gesagt, die alte Debatte, ob Aluminium angesichts der Sprödigkeit und der Neigung zu Ermüdungsbrüchen überhaupt der richtige Werkstoff für Rahmen sei, kann als erledigt gelten. Die Konstrukteure von Alu-Rahmen haben viel dazu gelernt. Im Übrigen gilt: Bei extremen Belastungen wird jeder Rahmen brechen. Bei Fahrrädern ist das Verhältnis von Gewicht und Stabilität fein austariert, sonst könnte man sich mit ihnen nicht so gut fortbewegen.

Für den Stahlrahmen sprechen folgende Überlegungen: Stahl ist elastischer, der Rahmen federt also etwas in sich, was es einem erleichtert, auf zusätzliche Federelemente zu verzichten. Aluminiumrahmen sind demgegenüber nahezu starr, dafür sind sie leichter und korrodieren deutlich weniger. Wichtiger ist für die große Fangemeinde der Stahlrahmen unter den "echten" Bikefreaks: Stahlrahmen kommen nicht aus Taiwan, sondern werden in kleinen hochspezialisierten Manufakturen in Deutschland gefertigt. Radfahren heißt gerade für viele Sportbegeisterte nicht nur Treten und Ankommen, sondern ist ein Lebensstil.

Die Schaltungnach oben
Hier gibt es auf den ersten Blick keine Wahl, denn Shimano ist im Bereich der Schaltungen das, was Microsoft beim PC ist: der kaum zu umgehende Quasi-Monopolist. Zur Ehrenrettung von Shimano sei gesagt, dass die Zuverlässigkeit seiner Produkte auf wesentlich höherem Niveau liegen als bei dem Softwarezwilling. Shimano bietet ein ausserordentlich differenziertes, für den Laien nicht überschaubares Teile-Programm. Bei den angebotenen Rädern trifft man leider nur selten einheitliche Gruppen. Da, wo es ins Auge fällt, beim hinteren Umwerfer mit breitem Aufdruck etwa, findet man typischerweise die teurere Komponente. Wo man es dagegen weniger leicht sieht, setzt der Rotstift an. Nicht umsonst werben einzelne Firmen ausdrücklich mit dem Hinweis, bei ihnen werde nicht gemogelt. Als die beste Komponenten-Gruppe für Touren gilt "Deore" in der Version "XT", nicht die allerleichteste, aber in den meisten Fällen die ausgewogenste Verbindung von Qualität und Gewicht.

Die marktbeherrschende Stellung von Shimano hat den gleichen Vorteil, den das universelle Windows besitzt. Auch fernab der heimischen Gefilde kann man mit einem ähnlichen Angebot rechnen. Allerdings gibt es im speziellen Fall des Reiseradelns eine ernstzunehmende, wenn auch sehr teure Option. Die Rede ist von einer unter Eingeweihten weithin bekannten 14-Gang-Nabenschaltung "Made in Germany". Ihr Ruf ist legendär, sie ist weltreiseerprobt (will sagen: 20.000 Kilometer und mehr). Selbst in den Internet-Diskussionsgruppen amerikanischer Radler raunt es von Ferne ihren Namen: "Rohloff". Die Nabe bringt zusammen, was man sonst unter der Rubrik "Zielkonflikt" als nicht machbar ablegt, nämlich die extreme Spreizung einer Kettenschaltung mit der Langlebigkeit und dem Bedienungskomfort einer Nabenschaltung. Das eben muss man bei den modernen Kettenschaltungen in Rechnung stellen: Die neun bis zehn Kränze hinten und die drei vorne bedeuten, dass die Kette sehr schmal sein muss und fast nie in gerader Linie, sondern bergauf bergab meist diagonal über die Zähne läuft. Kettenblätter, Kränze und Ketten sind deshalb ausgesprochene Verschleissteile. Hinzu kommen die Anfälligkeit solcher Schaltungen für Verschmutzungen wie schließlich die Unmöglichkeit, im Stand zu schalten. Die 'Rohloff' kann all das hervorragend, allerdings für den Preis eines guten Fahrrades, das heisst um die 800-1100 Euro. Ob das viel oder wenig ist, wenn man es zum Beispiel mit der 15%-Abschreibung eines Mittelklassenwagens pro Jahr vergleicht oder anderen selbst gewählten Bezuegen, muss jeder für sich abwägen. Für denjenigen, der sich nicht auf eine Weltreise begibt, ist die Rohloff sicher ein Overkill für geringe real existierende Probleme mit Shimano-Schaltungen, zumal die Rohloff das in etwa gleich gute Fahrrad im Preis fast verdoppelt. Wer sich eine "Rohloff" leisten kann, schliesst dafür eine Freundschaft für's Leben.

Gepäckträger:nach oben
Im Bereich der Gepäckträger gilt die Diskussion, wer die besten sind, seit längerem als entschieden. Nichts geht ueber die Produkte des in Münster ansässigen Herstellers Tubus. Die asketisch wirkenden Träger von Tubus sind aus Stahlrohr geformt, leicht, lassen sich - siehe oben - auch am Rande des Kaukasus schweißen, heben sich allerdings auch durch eine Preisgestaltung ab, die dieser einsamen qualitativen Spitzenstellung voll gerecht wird. Der vordere Gepäckträger - der sog. "Low-Rider" - kostet je nach Ausfuehrung etwa um die 60 Euro, der hintere knapp 90 Euro. Für 150 Euro hält der anspruchsvolle Kunde dann etwa 1.300 Gramm gut gelötetes Stahlrohr, besagter Supermarkt-Käufer dagegen fast ein vollständiges Fahrrad in den Händen. Man kann es nicht vergleichen.

In diesem Zusammenhang ist ein besonderer Umstand erwähnenswert. Es geht um die Vordergabel, die es bei neuen Fahrrädern inzwischen fast nur noch mit Federung gibt. Wer einen Lowrider einsetzt, sollte nach Möglichkeit auf eine Federung verzichten. Beides, Gepäckträger und Federung, gehen nur schlecht zusammen. Zwar hat inzwischen die Gemeinschaft genialer Tüftler") auch hierfür Loesungen entwickelt, aber diese sind zum Teil so prohibitiv teuer (bis zu 200 €), dass sich der komplette Austausch der Vordergabel ohne weiteres rechnet.

Warum es Sinn macht, einen vorderen Gepäckträger einzusetzen, merkt man erst, wenn man einmal Gelegenheit hatte, einen solchen zu nutzen. Ab etwa 15 Kilo Gewicht lohnt sich die Verteilung des Gewichts auf das ganze Fahrrad, weil sich das Lenkverhalten dadurch wesentlich verbessert. Der beste Tipp in diesem Zusammenhang lautet im Übrigen immer noch, so wenig und so leichte Ausrüstung wie möglich mitzunehmen.

Radgrößenach oben
26er-Räder galten in Deutschland lange nicht als vollwertige Räder, sondern als etwas für Heranwachsende. Im Tourenbereich kann man die Aussage umkehren. Die besten, für lange Auslandstouren gedachten Räder sind weit überwiegend mit 26er-Felgen ausgestattet. Warum? Erstens wegen der deutlich höheren Stabilität und Belastbarkeit, dann wegen der größeren Wendigkeit bei schlechtem Gelände - auch MTBs sind bekanntlich mit dem 26er-Standard ausgestattet. Schließlich sind die 28-Zoll-Räder eine mitteleuropäische Spezialität. Die Ersatzteilversorgung ist andernorts nicht gewährleistet.

Bremsennach oben
Die heutigen Bremsanlagen haben durchweg einen hohen Stand erreicht und sind mit früheren Möchtegern-Bremsen nicht mehr zu vergleichen. In Punkto Sicherheit verkörpert diese neue Bremsengeneration den wichtigsten Fortschritt der letzten Jahrzehnte. Als besonders gut gelten die Produkte der Firma Magura. Es handelt sich um hydraulische Bremsen nach dem Vorbild des Autos, bei der die Kraftübertragung in abgedichteten Leitungen durch Öl geschieht. Gegen Magura-Bremsen werden gelegentlich zwei Einwände erhoben: die Schwierigkeit, sie bei einem Defekt während der Tour zu reparieren, und die Belastung der Felgenflanken durch die scharf zupackenden Bremsbeläge. Den Erfahrungsberichten von Radlern und Händlern zufolge greift der erste Einwand nicht, weil die Bremsschläuche wie auch die anderen Komponenten außerordentlich langlebig bzw. wie die Bremskloetze sehr leicht zu wechseln sind. Magura-Bremsen seien, wie mir ein Händler sagte, "um den Faktor zehn weniger anfällig" als Seilzugbremsen.

Der zweite Einwand spiegelt im Grunde nur den Vorzug dieser Bremsen wieder: ihre enorme Bremswirkung unter Extrembedingungen. Wer sich auf die ganz große Tour begibt, sollte auf keramikbeschichtete Felgenflanken achten. Auch wenn es für denjenigen, der bei der Planung einer Alpentour mit mulmigem Gefühl auf markante Streckenprofile schaut, wie blanker Hohn erscheint: das eigentlich Wichtige ist nicht das Hoch-, sondern das gesund Wiederherunterkommen. Mit beladenem Bike werden bei Abfahrten im Hochgebirge ohne weiteres Geschwindigkeiten von 70 kmh erreicht, ohne dass man viel dafür tun müsste.

Beleuchtungnach oben
Beim Thema Beleuchtung geht es neben dem Reflektor vor allem um den Dynamo. Hier ist der Rollendynamo im Vorderrad dem traditionellen Kippdynamo eindeutig ueberlegen, funktioniert ersterer doch unter allen Umständen. Shimano bietet hier schon lange ein gute und vergleichsweise preiswerte Lösungen. Auch hierzu gibt es als Option eine deutsche Hi-Tech-Loesung aus einer Kleinstproduktion, den "SON-Dynamo". Der "SON" hat eine noch niedrigere Reibung als sein japanisches Gegenstueck, ist aber ebenso wie die Rohloff-Nabe nur zu einem vergleichsweise sehr hohen Preis zu haben. Allgemein gilt, dass das Thema Beleuchtung zentral fuer den Fahrradalltag ist, bei Touren aber hinter andere Probleme zurücktritt. Solche Touren spielen sich zumeist in der wärmeren Jahreszeit, vor allem aber bei Tageslicht ab. Aus diesem Grund fehlen selbst in den einschlägigen Erfahrungsberichten von Weltenbummlern häufig Hinweise auf diesen Aspekt. Das mag sich ändern, wenn sich der Trend durchsetzt, mit dem Nabendynamo elektrische Geräte wie HAndy and GPS aufzuladen.

Lenkernach oben
Bei den Lenkern scheiden sich die Geister. Aus Stabilitätsgründen lehnen sich viele Tourenbikes bei der Lenkerwahl an die Mountainbikes an. Gewählt wird ein relativ gerader, sehr stabiler Lenker mit "Hörnchen" an der Seite zum Ziehen in steilen Passagen und zum gelegentlichen Umgreifen der Hände beim Wechsel der Sitzposition. Den Ruf als beste und komfortabelste Lösung für lange Strecken genießt bei manchen noch der Rennlenker. Das Problem dieser Lösung besteht darin, dass man bei Schaltungs- und Bremsgriffen aus dem Bereich der Standardkomponenten hinaus in den Rennbereich kommt. Dabei treten Anpassungsschwierigkeiten auf, die sich nur durch Umbauten und individuelle Lösungen umgehen lassen. Auch hier gilt: Nichts ist unmöglich!

Gepäcktaschen:nach oben
Ortlieb. Alles andere teilt sich die hinteren Plätze.

Sattel:nach oben
Ein guter Händler lässt den Käufer den Sattel ausprobieren. Viele schwören nach wie vor auf die Ledersättel von Brooks. Einmal eingefahren, ist ihr einziges verbleibendes Manko, dass sie sich bei Regen voll saugen und schwer werden. Aber nicht jeder hat das Durchhaltevermoegen, einen Brooks auf eigene Kosten annehmbar weich zu reiten. Inzwischen gibt es von anderen Herstellern gute Kombinationen von Gel und Leder wie ueberhaupt die Gelsaettel sehr aufgeholt haben und mittlerweile langstreckentauglich sind.

Tachometer etc.nach oben
Für Dauerregen tauglich scheint keines der am Markt angebotenen Produkte ausgelegt zu sein. Die Urteile der Weltenbummler sind bei nur geringen Unterschieden zwischen den Marken kritisch. Wer Alpentouren oder längere Aufenthalte in anderen Gebirgsregionen plant, kann überlegen, eine Kombination aus Kilometerzähler und Höhenmesser zu wählen oder gleich ein GPS-Gerät, das diese Funktionen mitbringt.

Sonstigesnach oben
Die Wunschliste ließe sich noch weiter verfeinern.


Speichen:nach oben
Wer 28er-Felgen wählt, sollte bei sehr schwerem Gepaeck wenigstens am Hinterrad auf Naben achten, die 40 Speichen zulassen. So etwas gibt es im Tandembereich. DT Swiss sind die Speicher der Langstreckenradler.

Lowrider:nach oben
Zusatzständer zur Abstützung der vorderen Taschen sind eine sehr sinnvolle Einrichtung.

Mäntel:nach oben
Ursprünglich gab es nur einen expeditionstauglichen Reifen: den Schwalbe Marathon XR in 26 Zoll. Imzwischen hat er einen Nachfolger. Am besten bei Schwalbe nachschauen.

Zusammenfassungnach oben
Das Traum-Bike besitzt mithin einen Stahlrahmen, 26-Zoll Reifen, aber keine Federgabel, einen stabilen Vorbau, zwei Tubusgepäcktraeger, zwei Ständer, einen Brookssattel, eine Rohloffschaltung, Magura-Bremsen, einen SON-Dynamo. Nicht alles davon muss man unbedingt haben und zu beachten ist auch, dass etwa der Rennlenker nicht ohne weiteres mit der Rohloff-Naben-Schaltung zusammengeht. In die Nähe dieser Vorgaben kommt man mit Ausgaben zwischen 1.800 bis 3.200 Euro.

Last but not least...nach oben
Ein Fahrrad ist wie ein Anzug. Es muss sitzen. Das spricht gegen eine Kataloglösung. Hier ein paar Adressen, um das Spektrum der Reiseräder kennenzulernen: Da wäre die Fa. Norwid; oder auch Achim Nöll ; oder auch die Fahrradmanufaktur mit dem T 400 oder der Schweizer Hersteller Aarios.

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Radreisetaugliche Zelte


Einige Kriterien:
1. Wasserdichtigkeit
2. Sturmfestigkeit
3. Langlebigkeit
4. Breite/Länge
5. Abstellmöglichkeit für Gepäck
6. Packmass
7. Gewicht
8. Preis
9. Selbsttragend


1. Wasserdichtigkeit: nach oben
Minimum fuer Außenzelt: 1.500 Wassersäule; Zeltboden: 2000-3.000 Wassersäule; Relatives Optimum außen: 5.000 Wassersäule; Boden: 10.000 Wassersäule.
2. Sturmfestigkeit:nach oben
Unter normalen mitteleuropäischen Bedingungen kein Problem. Auf "Seasons"-Angabe achten (Two-Seasons, Three-Seasons, Four-Seasons)! Ansonsten ist das eine Frage, die die spezialisierten Magazine mit ihren Windtests beantworten.
3. Langlebigkeit: nach oben
Gestänge: Glasfibergestänge vermeiden (schwer und bruchgefährdet), stattdessen Aluminium.
Aussenhaut: Frühzeitiges Nachimpraegnieren hilft fast immer und schadet selbst bei Spitzenzelten nicht.
Boden: zusätzlichen Unterboden kaufen, gibt es passend vorkonfektioniert. Bauhausplane geht auch.
4. Breite/Länge:
Hier sind wie bei der Länge nicht nur die Innenzeltmasse entscheidend, sondern auch die Form. Deshalb: Probeliegen! Als "zwei-Personen-tauglich" gelten Zelte ab 100 cm Breite, realistisch sind 120 cm. Die Zeltbreite ist bei zwei Personen ein wichtiges Kriterium fuer guten Schlaf und stellt - mehr noch als die Länge - in Verbindung mit Preis und Gewicht so etwas wie das Nadelöhr bei der Auswahl dar. Man mache mit einem Zentimetermass auf dem Fussboden einmal die Liegeprobe. Schnell wird einem klar, dass 50 cm pro Person für komfortables Schlafen nicht reichen. 60 Zentimeter sind das absolute Minimum. Wichtig ist die Zeltform. Nur bei sehr steilen Wänden entspricht die angegebene Grundfläche in etwa auch der Nutzfläche. Manche Hersteller zeichnen in den Grundrissen die Personen versetzt schlafend ein oder bieten diagonale Grundflächen an. Ich bin bislang auf keine diagonal geschnittenen Luftmatratzen oder Schaummatten gestossen. Zelte mit zwei Ausgängen sind kein Luxus. Nachts über den Anderen herauszuklettern, macht keine Freunde.
5. Abstellmoeglichkeit
Wohin mit dem Gepäck bei Regen und zur Sicherung gegen Diebstahl? In der Apsis im Innenzelt oder Außenzelt sollte dafür Platz sein.
6. Gewicht
1.500g erreichbares Optimum, über 3.000g vermeiden! Wer auf besonders günstige Angebote trifft, sollte auf Zusätze achten! Es gibt oft Normal- und Leichtausführungen. Manche Firmen geben für Zelte Brutto- und Nettogewicht an. Die Differenz bezieht sich meistens auf das Gewicht der bei gutem Wetter wegzulassenden Heringe. Mindestgewicht heisst übersetzt also Zelt ohne Packsack, Extraschlaufen und mit einem Minimum an Heringen. - In den Angaben zum Bruttogewicht fehlt grundsätzlich die notwendige Zeltunterlage, die mit etwa 300g zusätzlich zu Buche schlägt.
7. Packmaß
Das Packmaß reicht bei Leichtzelten bis 60 Länge; häufig sind 52 cm, optimal sind 42 cm. Die Breite stellt mit 20-30 cm kein Problem dar.

8. Preis: (Stand 2/2005) nach oben
Die Preise beginnen bei 100 Euro. Bei Sonderangeboten von Mittelklassezelten liegt der Preiskorridor zwischen 150-200 Euro. Die obere Mittelklasse ist eingeschlossen mit rd. 300-400 Euro. Die Oberklasse wird erreicht mit 500 und mehr. "Schnäppchen" sind bei dieser Art Reisezelt seltener als bei anderen Artikeln. Die Preise der Outdoor-Internet-Versandhäuser variieren nicht sehr stark. Wo im Einzelfall groessere Preisdifferenzen auftauchen, ist besondere Aufmerksamkeit geboten und die Typen-Bezeichnung genau zu prüfen. Interessanterweise scheint ein Ebay"-Markt bei hochwertigen Zelten kaum zu existieren. Gebrauchte hochwertige Zelte findet man eher auf der Biete-/Suche-Seite des Spezialversenders "Globetrotter"
Herstellernamen fuer die Suchmaschinen: Nordisk, Salewa, MSR, Wechsel, Tatonka, Globetrotter, MacPac, Vaude, Hilleberg
Zelttypen und Zeltform allgemein nach oben
Wer allein reist, kann an die klassische Sarg-Form denken. Sie hat den Vorteil sehr leicht, stabil und relativ preiswert zu sein. Die Defizite der "Särge" liegen allerdings oft bei der Gepäckunterbringung, dem Trocknen von regennasser Kleidung wie auch allen anderen Aktivitäten im Zelt. Ein mehrstündiger Aufenthalt während des Tages bei Dauerregen, das Lesen von Karten zur Planung der Route für den nächsten Tag, vom Kochen ganz zu schweigen, kann man "vergessen".
- Komfortabler sind demgegenüber Zelte, die laut Grundriss für "anderthalb" Personen angeboten werden. Zumindest das Gepaeck geht dort ohne weiteres hinein. Wichtig ist auch, dass die Konstruktion im Eingangsbereich "hochgezogen" ist. So kann man immerhin an einer Stelle aufrecht sitzen und sich halbwegs komfortabel umkleiden.
- Um gelegentlich einmal Kochen zu können, ist eine größere überdachte Aspsis wichtig. Das findet man häufig in Verbindung mit sogenannten Tunnelzelten. Sie bedürfen unbedingt der Abspannung. Viele benötigen drei Bögen, was sie relativ schwer macht. Tunnelzelte haben den Vorteil steiler Zeltwände und dadurch einer guten Nutzung der vorhandenen Grundfläche.
- Ein Zelt mit in der Mitte gekreuzten Stangen ("Kuppelzelte) hat viele Vorteile u.a. den, dass man es auch aufgebaut noch versetzen kann, wenn man zu spät merkt, dass der Schlafsack auf einer Wurzel liegt. Solche Zelte kommen mit vier Heringen, bei absoluter Windstille u. U. ganz ohne einen aus. Zu beachten bleibt auch, dass sich bei hartem Boden nur sehr solide, schwere Heringe einbringen lassen. Nach einigen negativen Erfahrungen scheint mir dieses Kriterium besonders wichtig.
Wo kaufen?
Der Kauf beim Händler vor Ort hat, was diese Art Zelt angeht, viel für sich, weil nichts über Probeliegen geht.
Tipp:
Im Fruehling oder Herbst eine Camping-Messe besuchen und am letzten Nachmittag direkt bei den Ausstellern kaufen! nach oben

WIE KOCHEN BEIM RADREISEN?


Überlegungen zum Thema Kochen bei einer Radreise stehen wie ein Dänenprinz zunächst einmal vor der Frage, Kochen oder Nichtkochen, denn anders als das Radeln selbst gehört das Kochen zu den Optionen des modernen Pedalritters, und zwar auch dann, wenn man die Nächte im Zelt verbringt.

Was spricht für, was gegen Kochen?

CONTRA

- Der Zeitverlust am Morgen durch das Holen von Wasser und das Aufkochen (15-20 Minuten) bilden in der Rechnung einen wichtigen Faktor, ist doch das Aufstehen nichts, was man nach einer Nacht im Minizelt auf hartem Boden gerne tut. Hinzu kommt die Frage: WER KOCHT? Wenn der Platz neben einem nur von Ortliebtaschen gefüllt ist, muss man die Zeit für das Kochen noch zu der Spanne für's Duschen, Zähneputzen, Rasieren, Brötchenholen addieren. Auch das Spülen kann man kaum weglassen ebenso wenig wie das Schlangestehen beim Bäcker, beim Duschen, beim Spülen und natürlich die mitunter beträchtlichen Wege dazwischen. Als eintägiger, einzelreisender Gast gibt's bei der Anmeldung nur selten den optimal gelegenen Zeltplatz. Da sind anderthalb Stunden goldener Morgenstunde leicht vertan. Und wer will erst um 10 Uhr starten?
Die Alternative: Raus aus den Federn, heiß geduscht, ein frisches Croissant plus Kaffee beim Platzobmann im Stehen und nicht im Hocken, Zelt gepackt und geradewegs in den Sattel. Selbst im unwahrscheinlichen Fall, dass sich der Platzwart die Nebeneinnahme entgehen lässt, die Strasse, auf der man in Mitteleuropa nicht nach 250 Metern auf Croissant und Kaffee stößt, muss erst noch gebaut werden. Morgens Frühstücken unter Anwerfen des eigenen Kochers? Vergessen, würde ich sagen!
- Wie wär's mit mittags Kochen? Hört sich gut an, aber wie und wo spülen wir?
- Und abends Kochen? Wozu kochen, wenn man den Bauch noch voll mit leckerem Kuchen hat? Überhaupt sind doch wohl jetzt spätestens Brötchen, Aufschnitt und alkoholische Getränke angesagt.
- Und wie wär's bei Regen zu kochen???
- Nicht unterschätzen sollte man den Gewichtsfaktor. Kochen heißt Brennstoffvorrat plus Reserve (!) (mind. 500 g), Kocher (200-600g), Topf, Pfanne, Wasserkessel, Griff, Deckel (mind. 600-800g), Rührlöffel, Spüli, Bürste, Trockentuch usf. transportieren, macht mehr als wenigstens zwei Kilos zusätzlich bei jedem Anstieg.
- Und schließlich wären da noch die zu transportierenden Vorräte: die frischen und die angebrochenen!
- Last but not least: Nicht immer wird man den Campingplatz seiner Wahl erreichen. Dann bleiben nur Jugendherberge oder Hotel. Auf dem Zimmer lächelt einen das Kochgeschirr müde an.
These: In Mitteleuropa gibt es buchstäblich an jeder Kreuzung Versorgungsmöglichkeiten. Wenn man schon beim Schlafen spart und im Zelt nächtigt, sollte man sich wenigstens kulinarisch nicht weiter maltraitieren. Das Geld und vor allem das Gewicht der Ausrüstung kann man sich sparen.
PRO

Was die Zeit angeht, rechnet sich alles anders, wenn man in einer größeren Gruppe reist. Dann teilt man sich die Arbeit. Vieles läuft parallel. Während die Kids ohne zu Murren die Brötchen heranschaffen, teilen sich Frau und Mann einträchtig die Arbeit.   :-)))
Der Kostenfaktor: Der Cappucino morgens ist nicht umsonst, schon gar nicht für mehr als eine Person. Ausserdem füllt der Liter warmer Tee den Bauch ganz anders als das, was der Platzchef offenbar für Kaffee hält. Unter 50 EURO kommt man zu viert selbst beim Chinesen kaum weg. Mittags in der Innenstadt oder auf der Landstrasse Wasser besorgen und Geschirr spülen, ist nicht einfach zu bewerkstelligen, aber wenn man die Gegenrechnung aufmacht: Nudeln mit Tomatensauce vom Discounter für vier Personen zu wenig mehr als zwei EURO Rohstoffpreis gegen Schweizer Restaurantofferten, steigt der Anreiz, eine Lösung zu improvisieren, gewaltig an. (Für den Wassertransport nehme man große PET-Flaschen, für die es spezielle Halter etwa von Topeak gibt.) Und wer sagt überhaupt, dass man mittags kochen muss? Zugegeben, morgens lohnt es sich, im Interesse eines frühen Losfahrens auf das Auspacken des Kochgeschirrs zu verzichten und mittags ist das Outdoor-Spülen kompliziert, aber abends stellen sich die Zeit- und Geldrechnung ganz anders dar.

- Angebrochene Vorraete? Einmal durchatmen und dann wegwerfen!
- In manchen Gegenden ist das Selbstversorgen ohne Alternative.
These: Wer zwei Wochen und mit mindestens einem Begleiter reist, der kann - egal, wo er hinfährt - mit einem Kocher viel Geld sparen und hat den Spass, den das Do-it-yourself nun einmal macht. In einsamen Gegenden gibt es zur Selbstversorgung eh keine Alternative.

WELCHER ENERGIETRÄGER?
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Die wichtigsten Eigenschaften:
- Gas, sauber; keine Wartung des Brenners; leicht zu entzünden; sehr gut zu regeln; bei schlechtem Wetter zur Not sogar im Zelt bzw. der Apsis nutzbar; sehr windempfindlich und selbst in Mitteleuropa in der geeigneten Form u.U. schwer zu beschaffen; verschiedene nationale Standards (Adapter!); zum Teil nicht separat vom Brenner transportierbar.
- Spiritus, leicht zu entzünden, mittlere Energiedichte, sauber, nur grob zu regeln, auch Dosierung ein Problem, im Zelt kaum möglich, nicht immer leicht zu beschaffen, mehrtägiger Vorrat kann mit dem Rad gut mitgeführt werden, da ergiebig.
- Benzin, leicht zu beschaffen, höchster Brennwert, weniger windempfindlich als andere Quellen, sehr niedrige Verbrauchskosten, nicht sauber, deshalb abgesehen von Diesel (!) höchster Wartungsbedarf, etwas schwer anzuzuwenden; kaum zu regeln; im Zelt unmöglich; laut bis sehr, sehr laut; kann aber mitgeführt werden (Empfehlung: reines Benzin, sonst bleifrei 'Normal', nicht 'Super' wg. der Additive!).
- Windschutz: Unabhängig vom gewählten Energieträger gilt, ein guter Windschutz trägt wesentlich, zum Teil entscheidend zu einer guten Brennleistung bei.
These: Die Vor- und Nachteile sind leider so verschieden verteilt, dass man sich sehr genau überlegen muss, was man sich bei der Reise in die Taschen packt.
ABWAEGUNG nach oben
- Bei der Fahrt in dichtbesiedelte Gegenden (Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, Schweiz, Oesterreich, Benelux, Daenemark, zum Teil auch Schweden und Norwegen - siehe aber unten "Tipp"), spricht viel für Gas. Sauberkeit und perfekte Regulierbarkeit bedeuten hohen Komfort. Die Probleme mit der Beschaffung halten sich in Grenzen. Die einfachsten Brenner kosten 20-30 € und sind überaus leicht. Das Gerät sollte allerdings nach Möglichkeit die Trennung des Brenners vom Energievorrat erlauben (In den USA sollen nach Aussage eines Händlers Stechkartuschen verboten sein oder demnächst verboten werden) und vor allem zu den verschiedenen Kartuschen-Standards passen. Es gibt ein entsprechendes Gerät von MSR namens Superfly fuer ca. 80 €, welches diese Kriterien erfüllt. Es passt zu verschiedene Ventilformen (COLEMAN etc. wie auch CAMPING GAZ). Auch ein Adapter, der es erlaubt, Stechkartuschen vom Brenner zu trennen, ist im Fachhandel zu bekommen (noch einmal ca. 25 €). In jedem Fall ist ein zusätzlicher Windschutz (s.o.) dringend zu empfehlen, sonst kann es frustrierend lange dauern (12 €)!
- Spiritus bekommt man zwar nicht an jeder Ecke, aber in der Regel doch in jedem mittelgrossen Camping-Shop resp. Dorf-Apotheke. Man muss - je nach Brenner - beim Wasserkochen die erforderliche Spiritusmenge abschätzen, um nicht zuviel zu verlieren, denn einmal eingefuellt, führt kein Weg mehr zurück in die Flasche, Umgekehrt ist es bei größeren Menüs notwendig, den Brenner nachzufüllen.
Der Spirituskocher der Wahl ist seit Jahrzehnten der TRANGIA (27-x-er Serie kleines, 25er-x-er Serie grosses Format - Brenner plus Windschutz plus 2 beschichtete Toepfe komplett fuer ca. 79 €). Er hat viele Vorteile, zumal in Verbindung mit dem neuen Duosalgeschirr (Stahl-Alu-Kombination als Ersatz für das kratzempfindliche Aluminium. Alternativen dazu: Alu beschichtet, etwas leichter als Duossal, oder Titan, sehr leicht, aber auch sehr teuer!). Der TRANGIA ist kompakt. Zwei Töpfe plus Kessel passen beim Transport in den Windschutz (Gewicht ca. 1200g). Vor allem der Wind- und Wetterschutz ist perfekt integriert und effektiv. Überdies steht er so sicher, dass man ihn gewisse Zeit alleine lassen kann. Ein wenig regulieren lässt er sich auch. Für den TRANGIA spricht ferner, dass es diverses Zubehör gibt. So stellt PRIMUS mittlerweile einen Gasbrenner als Zubehör her. Gegenueber dem Spiritus halbiert der Gasbrenner die Kochzeit. Gut regeln lässt er sich jetzt auch. Da der eigentliche Spiritus-Brenner fast nichts wiegt, hat man so mit dem PRIMUS sogar zwei Energieträger zur Wahl.
Die Einschränkung dieser Lösung besteht darin, dass man nicht ohne weiteres die in Südeuropa verbreiteten CAMPING GAZ-Kartuschen nutzen kann, denn der PRIMUS ist kein Multikartuschenformat-Brenner. Das Problem ist durch einen weiteren Adapter lösbar (15 €). Bleiben Preis und Gewicht als Einschränkungen. Ein einzelner Gasbrenner (ab 20 €), plus 1 Kessel (ca. 12 €), plus 1 Topf 1,5 l (ca. 10 €), plus separatem Windschutz (12 €), plus Adapter fuer alle Faelle (12 €) bietet, wenn die Versorgung klappt, eine deutlich leichtere (Differenz knapp 1000g) Lösung und ist erheblich kostenguenstiger als die oben skizzierte Variante (ca. 66 € gegen 185 €).
- Wer in die weite Welt will, kommt um einen Benzinkocher nicht herum. Die Handhabung aller modernen Benzinkocher ist schnell zu erlernen. Der bekannteste unter den Expeditionskochern, der XGK von MSR, hat eine starre Verbindung zum Benzintank. Er scheidet deshalb fuer das Fahrrad aus. Ansonsten ist das Problem des Zusetzens der Düse gerade bei MSR-Kochern inzwischen gut durch selbstreinigende "Schüttelduesen" gelöst. Zur Sicherheit kann man die - in diesem Fall sehr leichten - Ersatzteile für alle Fälle mitnehmen. Das für den Betrieb optimale Reinbenzin ist zwar nicht überall erhältlich, aber die Brenner funktionieren auch mit Tankstellenbenzin. Etwas schwierig ist es, Benzin in kleinen Mengen (1 Liter) zu bekommen. Vor allem die hohe Brennleistung macht bei einem Benzinkocher immer wieder aufs Neue Freude. Wer einmal einen Benzinkocher benutzt hat, tut sich danach mit Spirituskochern schwer.
Für Fahrradreisen allein oder zu zweit in Mitteleuropa sind reine Benzinkocher dennoch wohl nicht das Richtige. Der vielleicht beste Mehrstoffbrenner überhaupt, der Omnifuel, kostet 150 € und mehr. Hinzu kommen Benzintankflasche (12 €), Kochgeschirr und Windfang. In der Summe betragen die Anschaffungskosten damit etwa 200 €. Etwas anderes, aber das ist hier nicht das Thema, sind Outdoorfamilienreisen nach Skandinavien. Auch bietet der Benzinkocher die Möglichkeit, konsequent genutzt, zum Beispiel die Möglichkeit zu einem Low-cost-USA-Aufenthalt!

FAZIT: FUENF THESEN, VIER EMPFEHLUNGEN, EIN TIPP UND DAS SCHLUSSWORT
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Thesen

- Der morgendliche Frühstart ist bei Radreisen ebenso wichtig wie schwierig. Die Empfehlung lautet deshalb, grundsätzlich auf die Outdoorküche verzichten und, wenn irgendwie möglich, den nächsten Bäcker ansteuern.
- Für Alleinreisende, die in der näheren mitteleuropäischen Umgebung fahren, lautet der Rat: Man spart mit dem Zelten schon genug, sucht morgens und mittags den Bäcker bzw. ein Restaurant/Imbiss auf und beschränkt sich abends auf eine kalte Küche. Das spart Zeit, Nerven, Geld und vor allem Gewicht!
- Ist man als Alleinreisender in einsamer Gegend unterwegs, tun es zum Frühstueck ein Kessel und ein kleiner leichter Gaskocher zur Wasseraufbereitung mit provisorischem Windschutz. Im Laufe des Tages lässt sich immer ein Restaurant erreichen. Abends bleibt die Küche kalt.
- Bei Reisen zu zweit, beginnt sich ein größerer Kocher finanziell zu lohnen, während die Nachteile nicht mehr so zu Buche schlagen. Man teilt sich die Küchenarbeit wie auch das Gewicht der Utensilien. Gas besitzt gegenüber anderen Energiearten den großen Vorteil, dass man bei schlechtem Wetter zur Not in der Apsis kochen kann. Mit einer mittelgrossen Kartusche kommt man mindestens 3-4 Tage weit, so dass eine gewisse Versorgungssicherheit in jedem Fall garantiert ist.
- Bei Reisen außerhalb des mitteleuropäischen Versorgungsnetzes hat demgegenüber der sehr effektive Benzinkocher alle Vorteile auf seiner Seite, auch wenn er in jedem Fall Zubehör (Flasche, Windschutz) benötigt.
Man neigt gerade am Anfang dazu, die Ausruestung zu perfektionieren. Beim Rad gilt aber: Weniger ist mehr!





Sonstiges



Beförderung: Rad und Flugzeug bzw. Bahn

Wenn man das Flugzeug zum Anreisen benutzt, ist es absolute Pflicht, sich vorher in die Transportbedingungen zu vertiefen. Die können sehr unterschiedlich sein. Am komfortabelsten ist die sog. "two piece-policy", die einige Gesellschaften bei Transatlantikflügen praktizieren. Frei sind dann zwei Gepäckstücke mit rel. hohem Gewicht (z.T. über 30 kg pro Stück). Das Stück-Prinzip wird dann allerdings von den Airlines sehr streng gehandhabt. Ein drittes Teil, sei es noch so klein und leicht, kostet viel Aufschlag. Das Handgepäck bleibt natürlich bei dieser Rechnung außen vor. Um die zulässige Stückzahl nicht zu überschreiten, kann es sich lohnen. die verschiedenen Radtaschen mittels Baumarktfolie und Tape vor dem Flug zu einem großen Stück zusammenzufügen. Solange das zusammengefügte Stück unter 32 kg bleibt, ist alles OK. Meist reicht es, das Rad selbst mit einer Luftpolsterfolie zu schützen. Hinzu kommt: Lenker gerade stellen, Sattel absenken, Pedalen abmontieren. Luft ablassen wird manchmal noch verlangt, obwohl es schlicht Unfug ist, weil alle Gepäckabteile heute einen Druckausgleich haben, sonst würden die ggf. dort mitreisenden Tiere wohl kaum überleben.

Tipp: Es versteht sich im Grunde von selbst, dass der Flug im Idealfall ein Direktflug sein sollte, auch wenn die Kosten dafür höher sind. Ist das Rad nicht vor Ort oder beschädigt, steht der ganze Urlaub in Frage.

Analoge Probleme stellen sich auch beim Bahntransport. Regionalzüge in Deutschland sind inzwischen meist auf das Rad eingestellt. Dafür kann es große Probleme beim Langstreckentransport geben. Deutsche ICEs, zum Beispiel, befördern anders als französische TGVs keine Räder, das tun nur IC's und eben Regionalzüge. IC-Radstellplätze sind im Sommer oft Monate im Voraus durch Buchungen blockiert. Allerdings werden regelmäßig nicht alle langfristig reservierten Plätze auch beansprucht. Tipp: Es kann sich deshalb lohnen, nach Einlaufen des Zuges mit dem zuständigen Zugchef über die Mitnahme zu verhandeln! Das macht vor allem Sinn, wenn man durch Verspätungen den Anschluss verpasst hat und die eigene Stellplatzreservierung nicht mehr gültig ist. So kann man Stunden sparen.

Hinzu gefügt sei noch, dass die Politik der Bahngesellschaften in diesem Punkt widersprüchlich ist. Sie profilieren sich in der Werbung zwar als Dienstleister für das Radwandern, der Kostendruck führt aber dazu, dass man möglichst "schlanke", durchgeplante Lösungen anstrebt, die anders als früher keine Spielräume mehr lassen. In den letzten Jahren haben einige europäische Gesellschaften tatsächlich die Bedingungen für die Radmitnahme verschlechtert.

Weil das Alles außerordentlich nervig sein kann, empfehlen erfahrene Mitglieder der Radreiseforen dem Problem technisch aus dem Wege zu gehen, indem man sich von vornherein faltbare Rahmen kauft. Ein populäres Modell ist das faltbare "Cadenza" von Dahon, ein MTB-ähnliches 26 Zoll-Rad, das sich zu einem Reiserad umbauen lässt. Ein deutlich teuere, dafür aber sehr edle Lösung ist der "Surly Long Haul Trucker DeLuxe Rahmen" aus den USA. Einige Versender vertreiben ihn hier in Deutschland. Beides sind keine Bastellösungen, sondern hochbelastbare Rahmen, die zum Radwandern taugen. Für diese Lösung spricht, dass man, wie gesagt, vielen Problemen aus dem Weg gehen kann. Das Cadenza etwa lässt sich so ohne weiteres so klein falten, dass es zu einem normalen Gepäckstück wird und die Einschränkungen der Bahngesellschaften für den Radtransport nicht mehr greifen. Der Umbau des Surly dauert etwas länger. Dieser spielt seine Vorzüge eher beim Fliegen aus, da er dort die Zusatzkosten - Hin- und zurück oft um 100 € - für den Radtransport erspart.

Tipp: Im Reiseradlerforum wurde und wird immer wieder über dieses Thema diskutiert.



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   © 2004/05/20 by Michael Prinz;  elektr. Mail: